Vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass Metalcore-Bands große Locations wie das Kölner E-Werk oder den Wiesbadener Schlachthof füllen können, doch spätestens seit 2009 explodierte dieses Genre. Immer mehr Menschen kauften die Musik von immer mehr Musikgruppen, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Parkway Drive, Heaven Shall Burn, Killswitch Engage, A Day To Remember oder Asking Alexandria – all diesen Namen begegnet man auf T-Shirts oder Pullovern in den Innenstädten Deutschlands immer häufiger. Letztere besuchten das Kölner E-Werk im Rahmen ihrer Europa-Tour und brachten zudem noch eine Handvoll weitere Screamo-Kapellen mit.

Während sich die ersten Fans bereits bei Secrets und Crown The Empire, welche mit einigen Soundproblemen zu kämpfen hatten, aufwärmten, war spätestens bei The Ghost Inside die Halle gut gefüllt. Eigentlich war das Konzert ausverkauft, dennoch gab es genug Platz im Köln E-Werk, welches früher als Umspannwerk Teil eines elektrischen Versorgungsnetzes war. Grund dafür waren die Bahnstreiks, die die Anreise vieler Fans verhinderten.

The Ghost Inside begannen ihr Set mit Avalanche, einem neuen Song von ihrem bald erscheinenden Werk Dear Youth. Den gleichnamigen Titelsong spielte die Band ebenfalls. Schon jetzt zeigt sich in welche Richtung es mit dem neuen Album gehen wird, nämlich druckvoll nach vorne. Also alles beim Alten und auch soundtechnisch bleibt man sich treu. Das Set einer gut gelaunten Band und eines schon recht aktiven Publikums führte durch zahlreiche Breakdowns und Singalongs. Höhepunkt war sicherlich der letzte Song Engine 45, welcher sich mit seinen gesungenen Parts als perfekte Livenummer entpuppte. Hierzu erschien einer der Sänger von Crown The Empire auf der Bühne, um The Ghost Inside gesanglich zu unterstützen.

Nun folgte der Hauptact des heutigen Abends: Asking Alexandria. Die Briten gehören wohl zu den umstrittensten Bands in der Szene. So werden sie von vielen gehasst andere lieben die melodischen Songs, den elektronischen Einfluss und den verrückten Frontsänger Danny Worsnop. Die Liveperformances sind noch einmal ein anderes Kapitel. Hier hörte man in der Vergangenheit kaum Gutes und viele Livemitschnitte, die im Internet zu finden sind, beweisen, dass der Frontmann kein begnadeter Sänger ist und, dass im Studio viel herumgetrickst wird. Seit Beginn des Jahres 2013 waren aber vermehrt positive Berichte zu hören. Worsnop hätte seinen Alkohol- und Drogenkonsum besser unter Kontrolle und sei nun live auch überzeugender. Nachdem ich die Band zum ersten Mal bei Rock am Ring im vergangen Jahr gesehen hatte, konnte ich dieser Meinung zustimmen. Sicherlich ist Asking Alexandria nicht die beste Liveband, die zahlreichen Verrisse waren aber dennoch übertrieben.

Nun durfte man also gespannt sein, wie sich die aus der nordenglischen Stadt York stammende Band präsentierte. Die Musiker begannen mit dem energiegeladenen Song Don’t Pray For Me und wirkten, obwohl der Sound im Kölner E-Werk nicht sonderlich überzeugend war, sehr präsent. Asking Alexandria hatten die Meute stets im Griff und musikalisch gab es, abgesehen vom Gesang, keinerlei negative Eindrücke. Der erwähnte Gesang bleibt nach wie vor ein Thema, denn dieser wird auch 2014 noch passend mit dem Wort „durchwachsen“ beschrieben. Danny Worsnop hat stimmlich eindeutig zugelegt, dennoch hat man in manchen älteren Songs der Band das Gefühl, dass ihm einfach die Puste ausgeht und er nicht hinterher kommt. Die neueren Songs, welche im Gegensatz zu den älteren Sachen eher ruhig sind, beherrschte der Frontmann eindeutig besser und bei den Cleangesang-Parts ist ihm lediglich vorzuwerfen, dass man auf das ein oder andere „Yeah“ auch hätte verzichten können. Unsympathische Interviews und peinliche Kostüme von Worsnop bleiben leider weiterhin ein Bestandteil von Asking Alexandria. Im Großen und Ganzen muss man aber zugeben, dass die Briten live nicht wirklich schlecht sind und es wissen ihre Fans zu unterhalten. Sicherlich fühlen sich auch einige Begeisterte von den Ansagen des Sängers und den Kostümen belustigt – wie so oft beim Thema Musik: Alles Geschmackssache! Die Alben der britischen Metalcorebands können jedoch auch mich nach wie vor begeistern.

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Secrets: Homepage // Facebook // Twitter

Text: Melvin Damian Klein
Bilder: Michael Gamon