Groß war die Enttäuschung, als das Balthazar-Konzert in Köln (sowie in Hamburg, Kopenhagen und Hannover) kurz vorher aus Krankheitsgründen abgesagt werden musste. Dafür wurde sich alle Mühe gegeben einen Nachholtermin zu finden und knapp zwei Wochen später war es dann auch soweit: Glücklicherweise konnte das Konzert wie geplant im Gloria Theater nachgeholt werden, das zu Balthazar passt als wären sie füreinander gemacht. Eins ist außerdem sicher: die extra Wartezeit machte die Band mehr als wett (allerdings gab diese den Fans auch noch etwas Zeit, die neuen Songs zu lernen).

Passend und fast wie erwartet begann der Abend also mit Decency, dem Opener des neuen Albums, direkt gefolgt von der Vorabsingle Then What. Die Songs kamen wunderbar beim Publikum an und man konnte aufatmen, denn körperlich waren die fünf Belgier in Topform. Die Band um Maarten Devoldere und Jinte Deprez zeigte sich entspannt, professionell und trotzdem sehr sympathisch; Rockstar-Attitüden und exzessive Ausbrüche sucht man hier vergebens, dafür findet man eine perfekt aufeinander abgestimmte Gruppe, die ihre Lieder so spielen kann, wie sie im heimischen Soundsystem klingen, verfeinert mit Extras wie zum Beispiel erweiterten Intros oder Outros, was nicht nur alte Fans, sondern auch (zumindest einen) Zuschauer überzeugte, der in seinem Leben noch nie von Balthazar gehört hatte und das Konzert später als erklärter Fan verließ.

Hier und da eine Liedansage wie „This song is dedicated to no one“ (von Devoldere vor Sinking Ship) lassen sich zwar sicherlich prächtig analysieren, trugen aber in erster Linie ebenfalls zur einzigartigen Atmosphäre bei. Natürlich war der ganze Abend ein Fest, aber dennoch muss man sagen, dass sich das Konzert zum Ende hin weiter aufbaute bis endlich in der zweiten Zugabe als letztes Lied der klassische Balthazar-Rausschmeißer Blood Like Wine gespielt wurde. Eine ausverkaufte Konzerthalle in der alle Zuschauer im Einklang ihre Becher hochhalten und im Chor die Zeilen „Raise your glass to the nighttime and the ways/ to choose a mood and have it replaced“ singen, verschmelzen und so etwas erschaffen, das man nur auf den allerwenigsten Konzerten finden kann. Etwas ganz Besonderes eben. Somit beendeten Balthazar ihr Konzert, nachdem sie ihren Fans noch einen Ohrwurm mit auf den Weg gaben, den diese zwei Tage später noch mit sich herumtrugen und sich zurückerinnerten an den Abend mit dieser wunderschönen Band im wunderschönen Gloria.

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Text: Alexander Mann
Bild: Pressefreigabe