Bereits seit 2012 ist Timur Vermes Roman Er ist wieder da auf dem Markt und noch heute ist er ein großer Erfolg, der nicht zuletzt auch in 2015 eine erfolgreiche Kinoverfilmung abwarf. Aber nicht nur Buch und Kinofilm waren und sind große Erfolge. Einer, der ebenfalls davon profitiert, ist Christoph Maria Herbst, der hierzu ein Hörbuch mit seiner Lesung veröffentlichte und damit auch erfolgreich auf den Bühnen unterwegs ist. So auch am 22. Dezember in München, wo er inmitten der weihnachtlichen Besinnlichkeit, die inzwischen allerorten anzutreffen war, einen Gegenpol zu all dem setzte und mit der bösen Satire aus Timur Vermes Buch sowie seiner gelungenen Stimmenimitation punkten konnte.

Der 2011 urplötzlich in Berlin aufwachende Hitler, der plötzlich in Berlin aufwacht, zunächst in der irrenden Annahme, es sei noch Krieg und er befinde sich im Deutschen Reich, muss sich erst einmal zurechtfinden. Schon hier merkt man, wie gut die Imitation durch Herbst gelingt, der hier durch und durch die Stimme Hitlers einnimmt, was schon allein sehr anstrengend sein dürfte. Zudem mimt er auch die Personen, die Hitler begegnen, was bereits in der Reinigung Yilmaz skurril und aberwitzig wirkt, wenn man ihn für „den anderen Stromberg“ hält, mit dem auf einmal Handyfotos gemacht werden. Ohnehin ist es sehr amüsant, wie der Protagonist die heutige Welt analysiert und dabei nach wie vor nicht von seinem politischen Gedankengut abweicht. Zum Beispiel dann, wenn er detailliert Wikipedia beschreibt und in Einklang mit seinem Gedanken des Deutschen Volkes bringt.

Die Hilflosigkeit der Hauptfigur wird immer wieder deutlich und zeigt dabei nicht nur die eigene Hilflosigkeit, sondern hält auch denjenigen damit immer wieder den Spiegel vor, die heutzutage an derart gestrigem Gedankengut hängen. Seinen Gipfel erreicht diese Situation, als er die NPD-Parteizentrale in Berlin Köpenick besucht und sich wundert, was für kümmerliche Gestalten heutzutage die „nationale Sache“ hochhalten würden. Hier brilliert Herbst nicht nur mit der Stimme Hitlers, sondern parodiert auch sehr gekonnt die dortigen Büro-Anwesenden und vor allem auch Holger Apfel imitiert. Ein Highlight einer hochkarätigen Lesung, die im Publikum durchweg für gute Unterhaltung sorgt.

Ein skurriler Abend, der vor allem angesichts der Vorweihnachtszeit wundersam wirkte, aber eben für so manchen Lacher gut war und dabei auch immer wieder nachdenklich stimmen konnte. Das Publikum ging gut amüsiert nach Hause. Zurecht, denn man hat hier Großes erlebt!

Text: Marius Meyer
Bild: Christian Hartmann