Zuletzt waren sie Anfang Oktober in Leipzig und spielten im großen Haus Auensee – allerdings mit dem Haken, dass sie dort der Support von Within Temptation waren. Im Januar standen sie zwar nun nur im kleinen Saal des Hellraisers auf der Bühne, dafür konnten sie sich aber auch sicher sein, dass das Publikum auch wirklich ihnen zuliebe kam. Dass der Auftritt der niederländischen Gothic Metal-Formation im Oktober Eindruck gemacht hat, zeigte sich schnell: So platzte der Saal aus allen Nähten und füllte sich ansehnlich bis in den hintersten Winkel. Mit ihrem Debütalbum Lucidity im Gepäck konnten Delain an diesem Abend beweisen, dass auch sie bereits eine gute Headlinertauglichkeit besitzen.

Bevor der Headliner die Bühne betrat, enterten als Support erst einmal die Lokalmatadoren von F.A.S. – kurz für Fallen Angels Symphony – die Bühne und zeigten, dass die Vorschusslorbeeren, die ihnen vor allem innerhalb der Stadt vor diesem ersten Auftritt nach zwei Jahren Bühnenabstinenz zukamen, nicht unberechtigt waren. Treibender Gothic Metal mit wechselndem Gesang, wobei aber vor allem der weibliche Gesang im Vordergrund stand, was somit eine gute Eröffnung für das Folgende bot. Das anwesende Publikum feierte gut mit und auch die Band hatte trotz des Klimas einer (nach Eigenaussage) finnischen Sauna auf der Bühne sichtlich Spaß. Um diesen Auftritt und damit auch den Einstand dreier neuer Mitglieder gebührend zu feiern, wurde außerdem an die ersten Reihen der Inhalt eines Kastens Bier verschenkt, der dankend angenommen wurde. F.A.S. wirkten auf der gesamten Dauer ihres Sets routiniert und professionell und bewiesen dabei eindeutig, dass die jüngste Auszeichnung als „Beste Gothic/Wave Band“ beim Deutschen Rock- und Pop-Preis 2007 wohl den Richtigen zukam. Ohne Zugabe durften sie folglich auch nicht von der Bühne!

Setlist: London, Strange Day, Träne der Verborgenheit, Maschine Leben, Verlassen, Fade away, On your ways
Zugabe: Childhood

Nach einer kurzen Umbaupause betrat der niederländische Fünfer von Delain dann die Bühne und eröffnete ihr Konzert mit Silhouette of a Dancer, das sich nach seinem atmosphärischen Start immer weiter in ein druckvolles Stück Gothic Metal steigerte. Das Publikum war schnell von der Musik – und vor allem der männliche Teil wohl auch von der reizenden Bühnenpersönlichkeit der gerade erst 20jährigen Charlotte Wessels – eingenommen und trotz der Saunaluft herrschte vor der Bühne dichtes Gedränge. Delain ernteten die ersten Jubelstürme und freuten sich, in der „Gothic capital of Germany“ zu sein – eine Ansage, auf die selbstredend weiterer Jubel folgte. Ein guter Start, um sich gefeiert durch das Debütalbum Lucidity zu spielen. Sie setzten den Reigen des gelungenen Gothic Metals gelungen fort und zeigten dabei, dass sie auch den Begriff des „Metal“ in der Stilbeschreibung alle Ehre machen. Wo manche Kollegen beginnen, seicht zu werden, behalten Delain eine gesunde Härte bei, die zwar die Melodiösität und Eingängigkeit nicht vermissen lässt, dennoch aber vor harten Gitarren und auch metaltypischen Grunts im Gesang nicht zurückschreckt. Der überwiegende Großteil des Gesangs kommt zwar von Charlotte Wessels, aber auch männliche Gesangspassagen sind immer wieder zu finden.
Es folgen im Verlaufe des Sets so einige Highlights. So zum Beispiel No Compliance: Vor dem Stück entschuldigte sich die charismatische Frontfrau noch und erwähnte, dass auf CD Sharon den Adel (Within Temptation) und Marco Hietala (Nightwish) das Stück unterstützen. Eine Entschuldigung, die eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, nein: Sie erledigen ihre Aufgabe souverän. So auch bei Stücken wie The Gathering. Es wurde gerockt, es flogen die langen Haare wild durch die Luft. Sowohl vor als auch auf der Bühne. So war es. Zwölf Stücke lang, die mit Ausnahme von See me in Shadow deutlich den Rock- bzw. Metal-Aspekt der Gruppe in den Vordergrund rückte. See me in Shadow, von der Gruppe als Verschnaufspause angekündigt, passte sich dabei aber auch gut ins Konzept ein: Eine gelungene Rockballade, die durchaus berühren konnte. Nach etwa einer Stunde verabschiedete sich die Band mit Pristine erst einmal von der Bühne. Schnell war zu bemerken: Das kann es nicht gewesen sein! War es dann auch nicht, denn mit Deep Frozen spielte die Gruppe alsbald ihre erste Zugabe, um sich anschließend mit dem bereits an siebter Stelle des Sets schon einmal gefeierten Stück The Gathering von der Bühne zu verabschieden.

Es war schön anzusehen, wie Delain in diesem recht kleinen Club eine gute Club-Atmosphäre entstehen ließen und gut den Kontakt mit dem Publikum suchten. Zudem war es auch beeindruckend, wie die Gruppe mit bisher nur einem einzigen Album ein solches Konzert auf die Beine stellen konnte. Ein insgesamt wirklich sympathischer Auftritt, der Eindruck hinterließ. Dies zeigte nach dem Konzert auch die Schlange am Merchandise-Stand, wo die Gruppe ihren Zuhörern dazu gerne Autogramme gab und ihnen Rede und Antwort stahl. In diesem Sinne: Gerne wieder!

Setlist: Silhouette of a Dancer, Frozen, Shattered, No compliance, A Day for Ghosts, See me in Shadow, Sleep forever, Sleepwalkers dream, Daylight Lucidity, Sever, Pristine
Zugabe: Deep Frozen, The Gathering

Weitere Artikel
Konzertbericht vom 05.10.2007 im Leipziger Haus Auensee (mit Within Temptation)

Homepage Delain: www.delain.nl
Delain bei MySpace: www.myspace.com/delainmusic
Homepage F.A.S.: www.fas-rocken.de
F.A.S. bei MySpace: www.myspace.com/fallenangelssymphony

Text und Bilder: Marius Meyer