Irgendwie war es der Tourauftakt, irgendwie auch nicht. Nachdem Esben and the Witch im späten September am Veröffentlichungs-Tag ihres Albums A New Nature einen Auftritt im Rahmen des Reeperbahn Festivals spielten, verging erst ein Monat, bevor sie wiederkamen und die eigentliche Tour begannen. Für diesen Anlass erwählten sie das altehrwürdige Gebäude 9 in Köln, zu dem auch wir uns aufmachten, um der Show der sympathischen Briten beizuwohnen.

Zunächst aber betraten im Vorprogramm die Coctail Twins die Bühne, wobei natürlich die Ähnlichkeit des Namens zu einer bedeutenden Band der Musikgeschichte reiner Zufall ist (nicht!). Viele Bands schreiben sich heutzutage auf die Fahne, irgendwie Shoegazing zu machen, oft verkommt dies aber nur zur Phrase. Nicht so bei den Coctail Twins, die das Dreampop-Feeling leben, wie man auf der Bühne merkte. Verhangene Klänge, bunte Lichter, fließende Songstrukturen – man konnte sich angenehm treiben lassen, ohne dass man in Belanglosigkeit endete, denn die Klänge haben dabei auch immer wieder etwas Betontes, was einen aufmerken lässt, was eine Nummer wie Perfume well eindrucksvoll beweisen kann. Ein gut gewählter Support-Act!

Setlist: Big nothing, Perfume well, Sometimes the waves, Waiting for the birds (Dreamed), Rooms made of dust, Western horizon, Ice machine

Nach dem Umbau dann aber Esben and the Witch, die kürzlich im Interview mit uns befanden: „Wir sind live noch nie besser gewesen. Ohne die ganzen Beschränkungen und die Elektronik ist es fantastisch. Es ist immer noch Elektronik dabei, aber wir sind ihr nicht mehr so sklavisch untergeben.“ Ein Blick auf die Bühne zeigt: So ein Live-Schlagzeug macht schon was her und gibt dem Auftritt gewaltigen Schwung. Zumindest, wenn man es will, denn zunächst einmal ging es ruhig los mit Press Heavenwards!, dem Opener des aktuellen Albums A New Nature. Ruhig? Ja, zu Beginn. Aber das Stück baut sich langsam auf, eh es binnen weniger Minuten explodiert und live eine noch gewaltigere „Wall of Sound“ aufbaut als es auf dem Album der Fall ist.

So waren mit dem ersten Titel dann auch schon über zehn Minuten vergangen. Man merkt: Die Band mag es gerade auf ihrem aktuellen Werk episch. Dabei ist es eine Freude, ihr zuzusehen und zuzuhören, wie sie sich in den Stücken verliert, sich – salopp gesagt – austobt und den Hörer daran teilhaben lässt. Immer wieder durchwoben ist es von fragilen Momenten, die von Rachels Stimme leben, wie in Dig Your Fingers In. Als dann nach The Jungle schon Schluss sein soll, wundert man sich: Es waren bisher nur fünf Stücke zu hören. Wobei „nur“ in Relation zu den Längen der Nummern zu setzen ist.

So oder so kam die Band aber wieder und spielte noch Stücke der Vorgänger-Alben, wobei vor allem der Marching Song aus dem 2011er-Debüt Violet Cries fand dabei großen Anklang, was der „Szenen-Applaus“ während der ersten Töne zeigte. Nach The Fall Of Glorieta Mountain und Smashed To Pieces In The Still Of The Night aus dem 2013er-Werk Wash The Sins Not Only The Face war dann Schluss. Schluss eines durch und durch runden Konzertabends, der den Anwesenden großen Spaß bereitet hat, was unter anderem auch die Tatsache belegte, wie lang die Schlangen am Merchandise zwischenzeitlich waren, wo die Band nicht müde wurde, Autogramme zu geben und Fotos mit sich machen zu lassen. Ganz klar: Der Ausflug ins Gebäude 9 hat sich gelohnt!

Setlist: Press Heavenwards!, Dig Your Fingers In, No Dog, Blood Teachings, The Jungle
Zugabe: Marching Song, The Fall Of Glorieta Mountain, Smashed To Pieces In The Still Of The Night

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Text und Bilder: Marius Meyer