Ob da wohl eine Tradition draus wird? Bereits 2012 war Oswald Henke am Karfreitag in Hamburg im Logo zu sehen, dereinst mit Sonja Kraushofers Band Coma Divine. In diesem Jahr war Henke ebenfalls am Karfreitag im Logo zu sehen, um sein neues Album Maskenball der Nackten zu präsentieren. Während anderorten die Karfreitagsruhe vorherrscht, war im Logo nicht viel davon zu spüren. Vor gut gefülltem Haus sollten die Zuschauer hier ab 21 Uhr ein hochkarätiges Programm sehen und hören.

Zunächst aber kam Oswald Henke um 21 Uhr auf die Bühne, um nicht sich selbst, sondern das Vorprogramm anzusagen, verbunden mit der Bitte, die Plaudereien für eine Weile einzustellen. Lisa Morgenstern eröffnete den Abend und spielte ruhige, düstere Klänge, die vor allem vom Klavier lebten, aber auch elektronisch-pulsierende Elektronik in einigen Stücken enthielt. Mit emotionalem Gesang in deutscher Sprache, der viele Gefühlsfacetten abdeckte und teils gar divenhaft begegnete, konnte sie die Hörer berühren. Gelegentlich erhob sie sich auch vom Klavier und begeisterte mit einigen Tanzeinlagen – immer war sie dabei sehr versunken in dem, was sie darbot. Nur zu verständlich, dass ein klingelndes Telefon oder im Publikum lachende Menschen während des Stücks Lieber Tod sie da nicht so sehr begeisterten. Davon ab: Ein guter Auftakt des Abends!

Setlist: Celene (Ein Lied an den Mond), Amphibian, Allegro von Fuoco, Kannibalische Gourmet (Das Mädchen, das sich selbst zerfraß), Nocturne (Vom Lächeln eines Regenwurms), Bury me, Sonnet 1, Lieber Tod, Farewell

Kurz vor zehn dann war es soweit: Henke betrat mit seiner Band die Bühne und eröffnete den Abend so, wie er auch das Album Maskenball der Nackten eröffnet – mit Dokument 2. Mit verhaltenen Piano-Passagen baut es sich langsam auf, bis Henke auch schon voll in seinem Element ist. Still stehen tut er auf der Bühne kaum mal und setzt dies dann auch so fort. Bereits bei Valiumregenbogen an zweiter Stelle sieht man, wie gut die Stimmung hier heute Abend ist – es wird getanzt, gejubelt und manch einer ist auch schon ziemlich textsicher bei den neuen Stücken. Bei den älteren sowieso, auch Stücke des Vorgängers Seelenfütterung fehlen natürlich nicht.

Auch an Bühnenshow wird immer wieder gedacht, wenn beispielsweise bei Vergessen Papierflieger von der Bühne ins Publikum geworfen werden. Allerdings ist bereits Henkes Präsenz und das beständige In-Bewegung-Sein schon sehr packend – die Musik ja sowieso. Groß der Jubel, als dann mit Nichts bleibt wie es war und Himmelgrau direkt hintereinander zwei Klassiker von Goethes Erben dargeboten wurden. Für viele der Anwesenden wohl ein Highlight des Abends, wenn man mal in die Gesichter blickt. Auch mit Henkes Solo-Band kommen die Stücke wirklich gut rüber, das muss man sagen.

Kein Wunder, dass Henke an diesem Abend ohne mehrere Zugaben nicht auskommt. Titel wie 5 Jahre und der Klassiker von Seelenfütterung, Weil ich es kann, sind noch einmal Selbstläufer, auch Nummern wie Manisch Aggressiv werden vom Publikum gebührend gefeiert. Über zwei Stunden sind es, die Henke hier mit seiner Band für beste Unterhaltung sorgt. Um Mitternacht herum ist dann Schluss im Logo. Die Karfreitagsruhe war also vorbei. Im Logo endete sie bereits einige Stunden früher. Ein sehr starker Konzertabend und eine Tradition, die gerne beibehalten werden darf. Karfreitag 2014, Oswald Henke im Logo – wie wär’s?

Setlist: Dokument 2, Valiumregenbogen, Es ist Nacht, Rote Irrlichter, Grauer Strand, Zeitmemory, Vergessen, Herz, An jedem Haar, Epilog, Fernweh ist, Nichts bleibt wie es war, Himmelgrau, Ein Jahr als Tag, Maskenball der Nackten, Wer mich liebt, Nur allein
Zugabe 1: Das, Weil ich es kann, 5 Jahre
Zugabe 2: Die Brüder schweigen, Manisch Aggressiv, Märchenprinzen
Zugabe 3: Medea

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Text und Bilder: Marius Meyer