Koblenz ist, die „Schängel“ (in Koblenz Geborene) mögen mir das verzeihen, eher eine zwar schöne, aber auch recht gemütliche Stadt am Rhein. Zwar kann man hier in den verschiedenen Clubs einige der interessantesten Acts sehen, aber es geschieht eher selten, dass sich ein Star aus Film und Fernsehen dazu durchringt, der Stadt am Deutschen Eck einen Besuch abzustatten. Umso schöner ist es, wenn diese Besuche so schön sind wie beim Konzert der Ina Müller, jener Moderatorin von der absolut zu Recht mit einen Grimme-Preis ausgezeichneten Sendung aus einer kleinen Kneipe in Hamburg, dem „Schellfischposten“, stets verstärkt mit einem Shantychor. Der Shantychor muss an diesem Abend in Hamburg bleiben, aber ihre Band und die beiden Sängerinnen sind brillant.

Aber ehe man Ina „singen und sabbeln“ lässt, lernt der Koblenzer erst einmal Wallis Bird kennen, den irischen Wirbelwind, der binnen Minuten jeden auch noch so skeptischen Zeitgenossen verzaubern kann. So gelingt es Wallis Bird, sich mit nur drei Songs (Encore, I‘m so tired of that line und Te dictum) in die Herzen der Koblenzer zu singen. Es bleibt zu hoffen, dass die kleine große Frau mit ihrem charmanten Sprachenmix den Erfolg bekommt, den sie sich schon so lange verdient hat.

Dann passiert etwas sehr Seltenes: Ohne Pause ist auf einmal die Band von Ina Müller auf der Bühne und es geht sofort in das Konzert der ehemaligen Apotheken-Angestellten aus Köhlen über. Schon der Auftakt mit Bildern der Müller in bekannten Posen, gefolgt von der Nummer Paparazzi, sorgt für Ausrasten in der vollen Sporthalle Oberwerth.

Man merkt deutlich, dass Ina sich ihre ersten Sporen beim Kabarett Duo „Queen Bee“ verdient, aber auch ohne ihre Partnerin Edda Schnittgard einen feinen bis eindeutig zweideutigen Wortwitz hat, der aber nie unter der Gürtellinie endet, sondern immer nur knapp davor.

Sie hat zu den wichtigen Dingen etwas zu singen, sei es die Orangenhaut oder ihre eigene Sicht der Dinge in Bezug auf das Älterwerden, Körperbehaarung, über das Verlassenwerden und andere Grausamkeiten. Aber immer mit einem zwinkernden Auge. Große Gefühle beherrscht sie auch und so weht ein Hauch von nordischer Gelassenheit durch die Stadt am Rhein, wenn Ina Müller auf Plattdeutsch Nees im Wind und Mama spielt und davor einen Einblick in das nordische Landleben präsentiert.

Die Frau kann singen und hat sich eine exzellente Band an ihre Seite geholt, die auch geschickt in die Ina Müller Show eingebunden wird. Der Höhepunkt ist nach dem groovenden Reggae Dumm kickt gut die No Woman No Cry-Einlage, der Titelsong des letzten Albums Das wäre dein Lied gewesen mit kurzem Medley durch die halbe Musikgeschichte. Kann man so machen, nein, eigentlich muss man das genauso machen. Danke Ina! Und komm bald mal wieder!

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Text: Dennis Kresse
Bilder: Sandra Ludewig (Ina Müller), Jens Oellermann (Wallis Bird)