Es ist schon komisch, wenn man ein Konzert besucht, dessen Protagonist im Grunde genommen der eigene Großvater sein könnte, wenn man das mal so vom Alter her betrachtet. Zumal es sich hierbei nicht um ein Konzert der Rolling Stones handelte, sondern um John Cale. Zunächst an den ersten beiden Alben des Velvet Underground beteiligt, ging Cale bald eigene Wege, die sich stets erneuern und ihn an diesem 23.10.2012 nach Hamburg führten, wo er den großen Saal k6 auf Kampnagel bespielte.

Dabei machte John Cale von Anfang an klar, dass er hier nicht den Dienstleister machen möchte, der ein Best Of-Feuerwerk zündet, sondern dass er auch heute noch stets neue Musik schreibt, die auch live präsentabel ist. Nach der Eröffnung mit Captain Hook aus dem Jahr 1979 sprang er gleich ins Hier und Jetzt und spielte mit Bluetooth Swings, Hey Ray und Perfection gleich drei Nummern der letztjährigen EP Extra Playful am Stück. Ein ähnlicher Block folgte, nur unterbrochen durch Guts dann mit Stücken des neuen Albums Shifty Adventures In The Nookie Wood. Titel wie Scotland Yard zeigten dabei gut, dass Cale mit seinen 70 Jahren nach wie vor das kleine und große Einmaleins der Rockmusik beherrscht.

Überhaupt war es ein Abend der Rockmusik. John Cale war erstaunlich gut gelaunt und wob auch immer wieder ältere Stücke mit ein, die er sonst nicht so häufig live spielt, beispielsweise Praetorian Underground. Was bei anderen Künstlern oft schiefgeht, hat bei John Cale an diesem Abend super funktioniert: eine sehr eigenwillige Setlist. Das Publikum hat es ihm gedankt, einige hielt es schon bald nicht mehr auf den Stühlen und sie tanzten am Bühnenrand. Schade war lediglich, dass John Cale lediglich ein Stück als Zugabe spielte – nach Dirty Ass Rock’n’Roll verhallten die Forderungen nach einer weiteren Zugabe lange nicht, trotz eingeschalteten Lichts und Musik vom Band. Da hätte man gerne noch mehr gehört. Aber trotz dieser leichten Abzüge in der B-Note: Ein sehr guter Konzertabend!

Setlist: Captain Hook, Bluetooth Swings, Hey Ray, Perfection, Guts, I Wanna Talk 2 U, Scotland Yard, Praetorian Underground, December Rains, Cry, Helen Of Troy / Hallelujah, Catastrofuk, Things, Whaddya Mean By That, Face to the Sky, Satellite Walk, The Hanging, Nookie Wood
Zugabe: Dirty Ass Rock ’n‘ Roll

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Rezension: John Cale – Shifty Adventures in Nookie Wood

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Text: Marius Meyer
Bilder: Shawn Brackbill