Mit Immer wieder weiter veröffentlichte Jon Flemming Olsen vor kurzem sein erstes Solo-Album, nachdem er zuvor musikalisch vor allem mit Texas Lightning auftrumpfen konnte, die es gar beim Eurovision Song Contest vor ein Millionenpublikum schaffte. Etwas, von dem er mit seinem Solo-Schaffen noch weit entfernt ist, eigentlich sogar zu weit. Spaß aber macht ihm das, das sah man sowohl in Köln als auch in Hamburg gut sehen. Wir waren vor Ort, um Eindrücke zu sammeln und zu berichten.

15.04.2014 – Köln, Gloria

Auch wenn die Besucherzahl im Kölner Gloria ein wenig an die der Eppendorfer Grillstation, wo sich Jon Flemming Olsen allsonntäglich als Imbisswirt Ingo den irren Ideen von Olli „Dittsche“ Dietrich stellen muss, erinnerte, ließ sich Jon Flemming Olsen davon nicht aufhalten. Er spielte ein Konzert, an das sich jeder, der mit dabei war, gerne erinnern wird. Auch wenn es nur knapp 50 Besucher waren: Diese erlebten einen Künstler, der mit vollem Einsatz seine wunderbaren Coverversionen spielt, aber auch einige Eigenkompositionen werden von ihm und seinen hervorragenden Begleitmusikern dargeboten. Man erkennt immer wieder, dass Flemming Olsen, der auch als Moderator und Buchautor für Furore sorgen konnte, ein Vollblutmusiker ist.

Sein Humor ist entwaffnend und seine Coverversionen auch. The Ballroom Blitz von The Sweet, aus dem Karl Heinz Schmitz wird. Aus Blame It On The Boogie von The Jacksons wird Deine Mutti und aus Golden Brown von den Stranglers wird Morgengrauen. Diese und unzählige andere Hits werden auf akustischen Instrumenten zum Besten gegeben.

Dass Jon Flemming Olsen aber auch ein Gespür dafür hat, selbst Songs zu schreiben, das beweist er mit der zu Herzen gehenden Nummer Tanz durch den Müll. Das kann was! Wenn beim nächsten Male doppelt so viel Besucher kommen, dann hat sich der Einsatz von Jon Flemming Olsen gelohnt. Alternativmusik.de kommt auf jeden Fall wieder!

24.04.2014 – Hamburg, Fabrik

Wie schnell Alternativmusik.de wieder kommt, zeigte sich bereits weniger als zwei Wochen später, als das um einige Tage nach hinten geschobene Konzert in Hamburg in der Fabrik stattfand. Ein Quasi-Heimspiel für den Musiker, der zwar in Düsseldorf geboren wurde, aber vor allem wohl als Wahlhamburger durchgeht. Zwar war der Abend in Hamburg einigermaßen besucht, aber auch zuschauertechnisch eher hinter den Erwartungen. Die an diesem Abend bestuhlte Fabrik war in den vorderen Reihen recht gut gefüllt, wenngleich Plätze leer blieben, aber nach hinten dünnte es sich dann doch sehr aus. Schade, dass so wenige Hamburger nicht vom Lokalkolorit gepackt wurden.

Hinter den Erwartungen zurück blieb dann allerdings auch nur der Füllstand der Fabrik. Das Konzert selbst hingegen konnte die Erwartungen übertreffen, denn Olsen war mit Freude und Spielfreude dabei, erzählte gerne seine Anekdoten und präsentiert sich bester Laune. Eine, auf die sich das überträgt, die sehr textfest und tanzend da vorne stand, war seine Mutter, deren Erwähnung auch im Publikum die gute Laune steigerte. Sie steht hinter ihrem Sohnemann, wie auch das Publikum hinter diesem (Wahl-)Hamburger Sohn stand. Mit einem Programm wie in Köln konnte er auch in Hamburg begeistern und auch nachdenkliche Momente wie die Eigenkomposition Nicht Amerika zündeten.

Nach der Show zeigte sich Jon Flemming Olsen noch als Fan-naher Künstler, der wenige Minuten nach der Zugabe direkt am Merchandise-Stand saß und munter Autogramme schrieb. Gerne mehr davon! Und diese Aussage sollte sich auch das potenzielle Publikum schwer zu Herzen nehmen.

Setlist: Das wird immer sein, Karl-Heinz Schmitz, Soll ich bleiben oder gehen?, Tage da träum ich, Der Picknicker, Einfach glücklich, Morgengrauen, Ich seh sie, Mann auf dem Seil, Halt Mich Nochmal, Nicht nach Haus, Im Juli, Bis der Morgen das Dunkel zerbricht, Deine Mutti, Schlechte Welt, Tanz durch den Müll
Zugabe: Nicht Amerika, Ich helf gern, La Paloma, Das wird immer sein

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Rezension: Jon Flemming Olsen – Immer wieder weiter

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Text: Dennis Kresse (Köln), Marius Meyer (Einleitung, Hamburg)
Bilder: Sony Music