Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass die Jon Spencer Blues Explosion im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2012 in der Großen Freiheit 36 spielte. Jetzt, wenige Monate später, waren es nur wenige Meter weiter, die sich das New Yorker Trio für ihre Headliner-Show in Hamburg ausgesucht hatte. Hausnummer 58, Gruenspan, so die heutige Adresse, die sich dann nach anfänglicher Skepsis doch auch immer weiter füllte, bis die Blues Explosion um 21 Uhr auf die Bühne trat.

Zuvor aber noch als Support-Act Gemma Ray, die einen Kontrapunkt zum folgenden Programm setzen sollte und lediglich mit ihrer Gitarre bewaffnet sowie Jon Spencers Manager Andy Zammit am Schlagzeug die Bühne betrat. Insgesamt neun Stücke spielte sie und zeigte dabei süßliche Indie-Pop-Klänge, die einen leichten Retro-Charme versprühten und berühren konnten. Die in Berlin ansässige Britin machte sich dabei gar nichts aus der Umgebung, in der sie heute auftrat und lag damit genau richtig. Der etwa 40-minütige Auftritt wurde vom Publikum entsprechend honoriert und weckte auch in so manchem Freund des rumpeligen Rocks des heutigen Headliners die seichtere Seite.

Setlist: 900 Miles, Runaway, You Changed Me, Ghost on the Highway, The Right Thing Did Me Wrong, There Must Be More Than This, Swamp Snake, Touch me I’m Sick, So Do I

Weiter um Punkt 21 Uhr mit der Jon Spencer Blues Explosion, die von Beginn an keine Gefangenen machten. Energiegeladen legte das Trio los und zog mit einem wahnsinnigen Tempo durch. Stücke des aktuellen Werks Meat and Bone standen da neben Klassikern und gaben sich nur so die Klinke in die Hand. Wie gewohnt benötigt es keinen Bass, die Gitarren von Jon Spencer und Judah Bauer harmonieren perfekt mit dem Schlagzeug von Russel Simins. Wobei „harmonieren“ hier natürlich ein gefährlicher Begriff ist, denn die Band zelebriert gewollt und gekonnt gerne auch die Disharmonie. Klassiker wie Blues 78, Songs der Nullerjahre wie High Gear und aktuelle Nummern wie Bag of Bones gehen da super zusammen.

Die alte Aussage „We do not play no Blues, we play Rock’n’Roll“ (aus Talk’ About The Blues) ist zwar ein alter Hut und wird immer wieder zitiert, wenn es um Jon Spencer und seine Band geht, aber eben diese Aussage wird von den dreien, an denen die Jahre unverwüstlich vorbeigingen, eben immer wieder untermauert und zementiert. Nach etwa einer Stunde verlassen sie erstmals die Bühne, aber diese Verschnaufpause hält nicht lange an. Etwa 20 Minuten Zugabe gewähren sie dem Publikum noch, bevor sie dieses in den Feierabend entlassen. Es war laut, es war wild, es war ein hervorragender Konzertabend. Bitte nicht wieder acht Jahre bis zum neuen Album verstreichen lassen, Herr Spencer!

Setlist: „We don’t do setlists” (Standard-Antwort der Jon Spencer Blues Explosion auf die Frage nach einer Setlist…)

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Text: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe (Oktober Promotion)