Es war eines dieser Konzerte, auf die man sich im Voraus schon lange freut, was natürlich am Künstler, aber nicht zuletzt auch an der Location lag: Die Kulturkirche in Köln-Nippes ist definitiv etwas Besonderes – für Fans genauso wie für Musiker. Wer hätte gedacht, dass man sich freiwillig und vor allem vorfreudig auf die harten Kirchenbänke setzt und ausnahmsweise mal jedem Wort des bärtigen Mannes vorne andächtig lauscht, anstatt bloß ungeduldig abzuwarten bis man wieder raus kann?

Jonathan Jeremiah selbst betonte im Laufe des Konzerts humorvoll, dass er seit seiner Kindheit keine Kirche mehr von innen gesehen habe und auch der Sänger seiner Vorband, The Leisure Society sprach die Besonderheit des Konzertes an. Klar, sowas sagen Musiker den lieben langen Tag und irgendwann glaubt man ihnen kein Wort mehr, doch was macht für die Bands selbst den Unterschied zwischen den zahllosen Konzerten einer Tour aus, wenn nicht die Locations?

The Leisure Society eröffneten also den Abend und präsentierten sich – normalerweise eine sechsköpfige Band – auf dieser Tour bloß als Akustik-Duo an Piano und Gitarre, und waren somit ein passender Einstieg, der sogar beim relativ alten Publikum gut ankam. Tatsächlich lag der Altersdurchschnitt geschätzt um die 40, wenn nicht sogar etwas höher, was die Stimmung jedoch nicht im Geringsten bremste und tatsächlich konnten einige der „älteren“ Besucher die Texte besser mitsingen als jüngere.

Als dann der Mann des Abends mit seiner Band auf die Bühne kam begann er sofort mit dem ersten Highlight, dem Titelsong seines zweiten Albums Gold Dust und spielte daraufhin erstmal ein paar Lieder am Stück durch bevor er sich ans Publikum wandte und ein paar Worte zur Begrüßung sagte. Jeremiah ist eben weniger der große Entertainer, der vor jedem Lied eine Anekdote zu erzählen hat, als der ruhige Musiker, der einfach nur seine Lieder präsentieren möchte und sich selbst dabei nicht als Rampensau sieht. Klar, hier und da erzählt er schon kurz etwas, gehört ja dazu, aber lieber zeigt er, was er an der Gitarre kann und dafür ist das Publikum im Endeffekt ja auch gekommen. Nach einer Setlist voller alter und neuer Lieder, frisch seinem aktuellen Album Oh Desire entnommen, spielte der Gitarrist seinen größten Hit Happiness zum Schluss, bevor er für die Zugabe noch einmal auf die Bühne und anschließend für Autogramme und Kaltgetränke zum Merchstand kam.

Homepage: www.jonathanjeremiah.com
Facebook: www.facebook.com/jjeremiahmusic

Text: Alexander Mann
Bild: Pressefreigabe