Preisfrage für den 50:50-Joker: Wenn die Worte Leicester und easy zu les-tah und eez-eh werden, vom „litt’l la“ statt vom „little liar“ die Rede ist und man eindeutig zweideutig zu „hit m-eh hard-a“ aufgefordert wird, ist man a) an irgendeiner Universität, wo der Linguistik-Prof gerade Beispiele für Lautphänomene des Englischen erklärt oder b) bei einem Konzert von Kasabian, der lustigen Band aus Leicester, wie man bei RTL sagen würde. Kleiner Hinweis: An wem der Medienrummel um die derzeitigen Aushängeschilder der britischen Musikszene vorbeigegangen ist, sollte sich Antwort b) noch einmal genauer durchlesen.

Genauso konsequent wie Sänger Tom Meighans nölige Aussprache ist im Übrigen nur noch die stilistische Entwicklung, die Kasabian mit ihrer aktuellen Scheibe durchgemacht haben. 48:13 knüpft da an, wo ihre Erstlingswerke Kasabian und Empire begonnen haben: weniger Alternative und Gitarre, dafür mehr Anleihen aus dem Industrial, Elektro und Hip Hop. Kasabians Mastermind Sergio „Serge“ Pizzorno macht nun endgültig keinen Hehl mehr aus seinem 70er-Krautrock-Fetisch! Auf den ersten Blick wirkt dieser neue alte Stil dank gitarrenlastiger und gefühlt irgendwie präsenterer Vorgänger aus der jüngeren Zeit (Velociraptor! und West Ryder) zwar etwas befremdlich, geht aber spätestens beim Live-Auftritt in Fleisch und Blut über.

Das clubartige Set in Bremen war härter und hat eine stimmige Brücke zwischen alten (Shoot the Runner, Processed Beats) und neuen Songs (stevie und bumblebeee) geschlagen. Mitgröhl-Klassiker wie Underdog, Fire und L.S.F. wurden selbstverständlich ebenso zum Besten gegeben. Bestätigt hat sich live außerdem, was sich schon beim Hören der CD herauskristallisiert hatte: Die neuen Lieder sind nicht nur feiner in ihrer Komposition, sie scheinen auch stärker auf die Reaktion des Publikums ausgelegt zu sein. Die Band erfand für diese Kunst scherzhaft sogar einen neuen Terminus und sprach in der Vorberichterstattung immer wieder von der nebulösen „science of drops“. Gemeint ist das plötzliche Einbrechen von Liedern, das gerade während der Aufführung für besonders heftige Beifallstürme sorgte und den Auftritt dadurch noch runder machte.

Zur Einstimmung am Abend gab es eine Kostprobe der britischen Band Pulled Apart by Horses auf die Ohren. Im Gegensatz zur Vielfältigkeit des Hauptacts war diese durch ständiges Hardcore-wuah-Geschrei nur leider ein wenig einseitig. Daumen hoch für die Qualität, Daumen runter für die schlechte Tonmischung am Anfang und die anstrengende Songauswahl. Nach schneller Umbaupause eröffneten Kasabian ihr Set mit der aktuellen Single stevie. Wie gewohnt, hatte Tom mit seinem gekonnten Stolzieren und langem Sonnenbrillentragen während des Konzertes natürlich auch das Erbe von Onkel Noel und Onkel Liam im Blick – das Ganze aber mit wesentlich mehr Selbstironie, beispielsweise als er die leere Galerie im nicht ausverkauften Pier 2 zum Mitsingen aufforderte. Highlight des Konzerts war schließlich noch ein bisschen mehr als Dance-Nummer eez-eh, der schizo-Song treat, bei welchem Serge im Laserlicht beinahe wie eine Erscheinung aussah. In diesem (meighanschen) Sinne „Dankascha“ für die Aufmerksamkeit und zusammengefasst: Konzerte von Kasabian sind dringend zum Nachahmen empfohlen!

Weitere Artikel
Rezension: Kasabian – 48:13
Rezension: Kasabian – Live at the o2
Rezension: Kasabian – Velociraptor

Homepage: www.kasabian.co.uk
Facebook: www.facebook.com/kasabian
Twitter: www.twitter.com/kasabianhq

Text: Janina Kück
Bilder: Linda Nylind