Nach den schrecklichen Ereignissen in Paris wusste man nicht genau, wer nun eigentlich noch auf Tour ist und wer aus unterschiedlichen Beweggründen basierend auf den Geschehnissen seine Tour abgesagt hat. Bei Mercury Rev war es nur die Paris-Show, die abgesagt wurde. Und auch, wenn man sich ziemlich durchringen musste, direkt am selben Wochenende noch ein Konzert zu besuchen, gewann am Ende der Grundgedanke, dass es auch wenig sinnvoll ist, sich jetzt daheim einzuschließen.

Den Opener gab um kurz nach 20 Uhr zunächst Nicole Atkins, die nur mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme auf der Bühne stand und damit Stücke aus ihren drei Alben performte. Die Singer/Songwriterin eröffnete den Abend mit dem Titelstück ihres 2007er Debüts Neptune City und zeigte damit gleich, wie gefühlvoll das ist, was sie da spielt. Nebenher zeigte sie sich aber auch sympathisch und einnehmend, denn die zu diesem Zeitpunkt noch recht spärlich gefüllte Halle ließ sich nicht lange bitten, bereits zur zweiten Nummer Promised Land weiter vor zu kommen. Bei Country Was, einer Kritik am heute kommerzialisierten Country, konnte sie auch so manchen zum Mitsingen bewegen. Insgesamt lag der Fokus hier sehr auf den ersten beiden Alben, da auch das aktuelle Album bereits seit einer Weile draußen ist, dennoch aber konnte sie so einige Exemplare ihres neuen Albums verkaufen und durfte auch so einige Exemplare signieren. Ein gelungener, intimer Auftakt, der für zufriedene Gesichter sorgte.

Setlist: Neptune City, Promised Land, Country Was, The Way It Is, Lonely Guy, The Tower, Cryin’

Von „glücklichen Gesichtern” an dieser Stelle zu reden, ist natürlich eine schwierige Angelegenheit. Denn die Geschehnisse des Freitagabends lagen in der Luft, die Anwesenden wirkten alle ein wenig angefasst. Dennoch kamen gut 100 Zuschauer an diesem Sonntagabend in die Kranhalle, worüber sich auch die Band gerade in diesen „strange times“, wie Sänger Jonathan Donahue es in einer Ansage benannte, sichtlich gerührt zeigte. Tatsächlich war es gut, hier zu sein an diesem Abend und gemeinsam harmonisch einen Konzertabend zu erleben. Die Band wirkte spielfreudig und ließ sich ihren Spaß nicht nehmen, das Publikum ging dankbar mit – schon von den ersten Tönen des Album- und Konzert-Openers The Queen Of Swans an.

Ein etwa anderthalbstündiges Set haben Mercury Rev an diesem Abend zusammengestellt und dabei eine gute Auswahl aus ihrer inzwischen großen Diskographie getroffen. Da kann ein Stück über 20 Jahre alt sein wie Frittering von der Yerself Is Steam oder auch frisch wie Are You Ready? vom aktuellen Werk The Light In You, Mercury Rev wirken hier wie aus einem Guss. Besonderes heraus stechend sind die Werke aus der Zeit um die Jahrtausendwende – Deserter’s Songs und All Is Dream. Auch ruhigere Album-Stücke wie Tides Of The Moon fügen sich gut ein, denn Mercury Rev verbreiten hier eben auch Atmosphäre, da gehört das Verhangene dazu.

Zum großen Finale setzt Opus 40 an, das sich auf der Bühne zum Ende hin deutlich mehr steigert als auf CD, indem es zu einer großen Wall of Sound mit großer Lärmkulisse wird, was beim Publikum sehr gut ankommt, bevor es zum Abschluss direkt in das treibende Rainy Day Record übergeht. Großer Jubel, denn man hat hier großes erlebt an diesem Abend. Zur Zugabe gibt es noch Goddess On A Hiway, das als einer der größten Hits der Band entsprechend gefeiert wird, bevor The Dark Is Rising den Abend atmosphärisch beendete. Zumindest musikalisch, denn kurz nach dem Set kam die Band zum Merchandise und signierte, ließ Fotos mit sich machen und zeigte gut gelaunt Präsenz.

Es war gut, dort gewesen zu sein zwei Tage nach den Ereignissen von Paris und gemeinsam einen Abend im Zeichen der guten Musik zu erleben. Durch das verbindende Moment der Musik hatte man zumindest für ein paar Stunden das Gefühl, dass die Welt in Ordnung sei. Danke, Mercury Rev!

Setlist: The Queen Of Swans, The Funny Bird, Autumn’s In The Air, Endlessly, Frittering, Tonite, Are You Ready?, You’re My Queen, Diamonds, Central Park East, Holes, Tides Of The Moon, Opus 40, Rainy Day Record
Zugabe: Goddess On A Hiway, The Dark Is Rising

Text und Bilder: Marius Meyer