Seit Jahren schon polarisieren Oomph! mit jeder neuen Veröffentlichung wieder, mit Des Wahnsinns fette Beute haben sie das in diesem Jahr erneut auf neue Spitzen getrieben. Bei allen gemischten Reaktionen gibt es aber immer die alten Fans, die auch vom neuen Material begeistert sind und neue Fans, die hinzukommen. Etwas, das man in der Markthalle gut sehen konnte: Metaller mit Aufnäher-übersähten Jacken neben Teenagernn und Familienmüttern. Und alle sollten sie an diesem Abend auf ihre Kosten kommen.

Nachdem Blowsight schon einmal die Stimmung ein wenig anheizten, betraten Oomph! gegen 21:05 Uhr in der Markthalle und wählten mit Unzerstörbar einen Opener vom neuen Album, der zu den zugänglicheren Stücken auch für die älteren Fans gehörte. Gefolgt wurde es von einer Reise durch ihre Diskographie, wobei zum Beispiel Das weiße Licht für viel Atmosphäre sorgte, während auch Träumst du für Bewegung sorgen konnte in der fast ausverkauften Halle. Es folgte Kleinstadtboy, dem Dero eine ausgiebige Ansage widmete und sich bei Bronski Beat für die Melodie, aber auch bei Rob Halford für die Inspiration bedankte – war er es doch, der einst vor seinem ersten Judas Priest-Auftritt in einen Schwulenladen ging, um sich sein Outfit zu besorgen. Eine klare Ansage gegen Homophobie also, die hier von der Band kam.

Dass Oomph! gekommen waren, um wirklich eine Show für alle zu bieten, ganz egal, wann sie angefangen haben, die Band zu hören, zeigten sie auch gerne. Damit gerechnet, an diesem Abend der neue Gott zu hören, haben sicher nicht alle, aber: Oomph! spielten es und lagen mit dieser EBM-Nummer goldrichtig. Wie vielseitig sie sind, zeigten sie in der Folge immer wieder, unter anderem im kurzen Akustik-Teil mit Auf Kurs und der unerwarteten Akustik-Version von Sex hat keine Macht, das in diesem Gewand einen ganz ungekannten Charme verbreitete. Danach wurden die Gitarren dann aber wieder auf verzerrt geschaltet, bis Augen auf!, dem inzwischen 20. Stück des Abends, Schluss sein sollte und das Publikum noch einmal gut mitging.

Dass eine Zugabe her musste, war nicht weiter verwunderlich… Dero nutzte die Pause, um sich umzuziehen und in Frauenkleidern wiederzukommen. Denn: Aus meiner Haut sollte die Zugabe eröffnen. Somit ließ er der Aussage Taten folgen, „dass kein Mann sein X-Chromosom verleugnen kann, das er nun mal in sich hat“ – und begeisterte mit diesem Song, bevor Gott ist ein Popstar noch einmal erwartungsgemäß abräumte. Damit war der Abend dann auch fast vorbei. Mit Always Look on the Bright Side of Life aus Monty Python beendeten sie den Abend und verneigten sich dankbar vor dem Publikum. Viele strahlende Gesichter verließen den Saal nach einem gelungenen Konzertabend.

Setlist: Intro + Unzerstörbar, Labyrinth, Mein Schatz, Das weiße Licht, Bis der Spiegel zerbricht, Träumst du, Wunschkind, Kleinstadtboy, Mein Herz, Der neue Gott, Regen, Niemand, Gekreuzigt, Seemannsrose, Mitten ins Herz, Aus Kurs (akustik), Sex hat keine Macht (akustik), Zwei Schritt vor, Sandmann, Augen auf!
Zugabe: Aus meiner Haut, Gott ist ein Popstar, Always Look on the Bright Side of Life

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Text und Bild: Marius Meyer