Hin und wieder erntet man ein erstauntes „die gibt’s noch?“, wenn man von Paradise Lost spricht. Vor allem dann, wenn man dies in Kombination mit Tour-Aktivitäten tut. Dabei waren Paradise Lost eigentlich nie weg, waren immer aktiv und haben auch nach wie vor eine treue Fangemeinde, wie sich auch an jenem Freitagabend in München zeigte. Beschwingt ob des anstehenden Wochenendes war eine erwartungsfreudige Menge da, die einen Abend erlebte, der zwar recht kurz war, aber dafür auf sehr hohem Niveau agierte.

Erfreulich dabei auch, dass man sich mit Lucifer eine wirklich hochkarätige Vorband ausgesucht hat, dessen Name zwar etwas platt wirken mag, inhaltlich aber voll und ganz überzeugen konnte. Dem Occult Rock der 70er wurde hier gehuldigt und die Band um Sängerin Johanna Sadonis machte das sehr gut. Rockige Gitarrenklänge, immer wieder etwas Mystisches dabei, beschwörerische Momente und Klänge, die einen mitrissen, wurden hier zum Besten gegeben. Seit sieben Wochen seien sie bereits mit Paradise Lost auf Tour, sagten sie – und trotzdem leben sie noch, so die Sängerin. Und wie sie noch leben! Dieser Auftritt von gut einer halben Stunde konnte mit seinen Klängen und der dazugehörigen Darbietung durch und durch überzeugen.

Setlist: Anubis, Abracadabra, Sabbath, Purple Pyramid, White Mountain, Morning Star, Izrael

Nach dem Umbau war es bald Zeit für Paradise Lost, die zu einem etwa 80-minütigen Set ansetzen, bei dem sie zeigten, dass sie wieder voll und ganz im Metal angekommen sind. Etwas, das ihnen auch steht, wie im Laufe dieses Jahres bereits das neue Album The Plague Within zeigte, das Anlass der aktuellen Tour ist. So eröffnete die Show dann auch wie das Album mit No Hope In Sight und man befand sich inmitten metallischer Schwere wieder – mit wuchtigem Gitarren, hartem Gesang und allem, was dazugehört. So spielte man sich mit Fokus auf dem aktuellen Album durch ein vor allem metallisches Programm und bewies, dass in dieser Kernkompetenz die große Stärke der Band um Nick Holmes liegt.

Ein erstes Highlight setzte dabei Erased vom 2002er Werk Symbol of Life, von nicht wenigen im Publikum mitgesungen. Die Setlist des Abends ging auf. Stücke wie Praise Lamented Shade und Enchantment trafen genau den Nerv des anwesenden Publikums, das – wie ein Blick ins Rund zeigte – die Band überwiegend schon länger begleitete und auch hier sehr angetan war. Schlag auf Schlag ging es da und man wunderte sich, als nach der Kombination aus As I Die und dem folgenden Requiem bereits Schluss sein sollte. Soviel Zeit war ja noch nicht rum. Eine Stunde etwa.

Natürlich kam die Band aber auch noch einmal zur Zugabe zurück. Mit Return to the Sun, Faith Divdes Us – Death Unites Us, An Eternity of Lies und einem äußerst gut dargebotenen Say Just Words hatte der Zugabenblock es dann auch noch einmal in sich. 80 Minuten waren vergangen, Paradise Lost trotz ihrer großen Diskographie bereits fertig. Nun bestünde die Möglichkeit, sich zu ärgern, dass die Band nur so kurz gespielt hat, dies aber wäre angesichts des durch und durch gelungenen Konzertes falsch. Vielmehr konnte man sich daran erfreuen, ein druckvolles Set ohne jegliche Schwachpunkte gesehen zu haben, das bewies, wie gut die Band noch in Form ist. Gerne wieder!

Setlist: No Hope in Sight, Widow, The Painless, Terminal, Erased, Praise Lamented Shade, Victim of the Past, Enchantment, Flesh from Bone, Beneath Broken Earth, As I Die, Requiem
Zugabe: Return to the Sun, Faith Divides Us – Death Unites Us, An Eternity of Lies, Say Just Words

Text und Bilder: Marius Meyer