Während man sich im Bundestag überlegt, ob die Rente mit Anfang 60 finanzierbar ist, rockt einer, der schon 65 Lenze auf dem Buckel hat, immer noch die ganz großen Hallen wie ein Zwanzigjähriger. Die Rede ist von Peter Maffay und seiner hervorragenden Band. Er ist jetzt wieder auf Wenn das so ist-Tour sind und schafft es mit seiner kaum beschreibbaren Fannähe, die sich Maffay in den letzten vier Dekaden aufgebaut hat, einer vollbesetzten Lanxess Arena, die ganze Palette zwischen Euphorie und stillen Momenten abzuverlangen. Mit einer dreigeteilten Show kann man sich seinen Peter mehr oder weniger aussuchen. Es beginnt mit einer Durchsage, die es nicht allzu oft geben wird, die aber die tiefe Verbundenheit zwischen Maffay und seinen treuen Fans, mehr als verdeutlicht.

„Aufgrund der Verkehrslage vor der Lanxess Arena beginnt das Konzert zehn Minuten später“. Zwar nur eine kleine Geste, aber welcher Künstler würde das noch machen? Sicher nur wenige, aber dann gegen 10 nach 8 geht’s los auf eine dreistündige Reise, die keine Wünsche offen lässt.

Das neue Album Wenn das so ist wird komplett durchgespielt und bietet Rocksongs wie Niemals war es besser oder das zu Tränen rührende Nah bei mir, ein Lied über das Abschied nehmen, was einem mit einem dicken Kloß im Hals zurücklässt.

Aber Maffay weiß ganz genau, wie er sein Publikum wieder zum Strahlen bringt und so gibt’s im zweiten Teil ein Medley aus allen Songs, die ihn geprägt haben und immer wieder werden auch eigene Songs eingebunden. Wenn etwa nach dem von Gitarrist Carl Calton gesungenen Neil Young Klassiker Heart of Gold die Maffay-Nummer Alter Mann erklingt, dann geschieht das mit einem Augenzwinkern, aber zumindest für die Zuseher ist Maffay auf einer Stufe mit den Beatles, von denen Here comes the sun erklingt oder Elvis, dessen Love me tender genauso schön gehaucht wird wie vom King selbst.

Die Bühne ist eine 360-Grad-Rundbühne, so dass sich Maffay und seine Mitmusiker, neben Carlton gehören beispielsweise noch Jean Jacques Krevetz, Schlagzeuger Bertram Engel, Peter Keller, der Saxofonist Ken Taylor, der den Maffay Songs fast einen Bruce Springsteen Anstrich-verleiht, dessen Zusammenarbeit mit Clarence Clemons legendär war, die Möglichkeit, sich während ihrer Show von allen Seiten dem Publikum zu präsentieren.

Darüberhinaus hat sich Peter Maffay noch mit Linda Teodosiu eine hervorragende Backgroundsängerin geangelt, deren Qualitäten sie bis ins Halbfinale der fünften Staffel von Deutschland sucht den Superstar brachten und so singt sie für die überwältigten Gewinnerin der „Maffay-Gitarre“, den Song Josie und eröffnet damit den dritten und letzten Teil des Abends: den „Hits-Teil“.

Als SMS-Gewinnspiel aufgezogen singt sich der beneidenswert fitte 65-jährige durch einige seiner erfolgreichsten Titel wie Eiszeit, Tiefer oder das Karat-Cover Über sieben Brücken musst du gehen und mit einem episch langen Sonne in der Nacht endet dann ein dreistündiges Maffay-Wohlfühlpaket.

Setlist: Niemals war es besser, Wenn der Himmel weint, Wer liebt, Nur du hörst, Wildnis, Schwarze Linien, Sie bleibt, Gelobtes Land, Bis zum Schluss, Nah bei mir, Grenzenlos, Wenn das so ist, Halleluja, Medley (Ruby Baby, Samstag Abend in unserer Straße, Here comes the sun, Get Back, Für immer, Angie, Heart of gold, Alter Mann, Heart of gold (reprise), Route 66, Leben so wie ich es mag, Love me tender, CC Rider, My Sharona, Weil es dich gibt, Born to be wild, Freiheit die ich meine, Rockin’i n the free world), Josie, Schatten in die Haut tätowiert, Eiszeit, Tiefer, Über sieben Brücken musst du gehen
Zugabe: Sonne in der Nacht

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Text: Dennis Kresse
Bilder: Andreas Ortner