Mit der Show in Leipzig und dem Auftritt beim E-tropolis Festival in Oberhausen endete im März dieses Jahres der erste Teil der „Blood“-Tour von Project Pitchfork. Aber bereits zu diesen Zeitpunkt wusste man: Es wird einen Teil II geben. Dieser nahm nun seinen Anfang in der Alten Spinnerei in Glauchau, bei der man auf eine Abendkasse bereits komplett verzichten konnte, denn schon zwei Tage vor der Show vermeldete man via Facebook, dass das Konzert ausverkauft sei. Dass das seine Gründe hatte, merkte man in der Folge auch schnell.

Nachdem BhamBhamHara als erster Support-Act dem Publikum bereits gut einheizten, folgte mit Eisfabrik an zweiter Stelle eine Band, die dem geneigten Zuschauer bereits von Teil 1 der Tour gut bekannt war, da sie auch dort den zweiten Support stellten. Und vor allem: Sie blieben dabei gut im Gedächtnis hängen, was man auch im Publikum sehen konnte – manch ein langer Bart war zu sehen, Sonnenbrillen, dicke Wintermützen, sogar ein Zuschauer im Yeti-Kostüm… Die sichtlich darüber erfreute Band spielte dann auch ein gelungenes Set mit insgesamt acht Stücken, das eine gute Mischung aus dem Debüt-Album und natürlich der neuen Scheibe Eisplanet darstellte.

Eröffnet wurde direkt mit dem titelgebenden Opener des neuen Albums, mit Polar Night folgte ein Highlight des Debüts, aber Walking Towards The Sun stellte dann wieder das neue Album in den Vordergrund. Tanzbarer Elektro, der da von Dr. Schnee, Der Frost und Celsius geboten wurde – man ist gar geneigt, den überstrapazierten Begriff „FuturePop“ anzustrengen, hier aber sehr positiv aufgefasst und gespielt. Auch in Sachen Show wurde hier wieder einiges geboten. So gab es wieder eine Menge Kunstschnee, im Song Maschinen war ein übergroßer Roboter auf der Bühne zu sehen und zum Abschluss bei Friends betrat auch der Yeti wieder die Bühne. Seinen Verwandten im Publikum nahm er ebenso wahr, sodass die beiden sich gegenseitig abklatschten. Abklatschen durfte man aber auch schon allein aufgrund des hervorragenden Auftritts, den Eisfabrik hier abgeliefert haben. Der Zuspruch am Merch-Stand war hinterher keineswegs unbegründet.

Setlist: Eisplanet, Polar Night, Walking Towards The Sun, A Million Lights, Strom, Far Away, Maschinen, Friends

Project Pitchfork waren anschließend von Beginn an ein Selbstläufer. Mit Timekiller als Opener war das Publikum bereits voll dabei und ließ sich auch nicht vom Feiern abbringen. Warum auch? Die Stücke vom Album Blood wurden geschickt eingebunden in ein Set voller Hits und Klassiker, dazu auch Stücke der jüngeren Alben, bei denen man inzwischen gut merkt, wie sehr sie sich ins Gedächtnis der Hörer eingearbeitet haben. Stücke wie En Garde! können da gut in einer Reihe mit The Dividing Line und Blood-Diamond stehen, den Bruch kann man auf der Bühne nicht bemerken. Alles wirkt wie aus einem Guss und Band und Publikum haben gemeinsam Spaß.

Was auffällt und erstaunlich ist, ist immer wieder, was für einen Zeitraum die besagten Hits und Klassiker von Project Pitchfork inzwischen umspannen. IO aus dem Jahr 1994 steht da in einer Reihe mit Pan, das noch zwei Jahre mehr auf der Uhr hat, Rain hingegen passt mit seinem Erscheinen im Jahr 2013 dennoch wunderbar in die Reihe des tanzbaren und eingängigen Dunkel-Elektros. Mit Terra Incognita hat man dann auch noch einen der seltener gehörteren Titel im Programm, über Alpha Omega und Existence geht es dann zum Ende des regulären Teils über, den man mit der Mitsing-Nummer Beholder bestreitet.

Dass es ohne Zugabe nicht geht, ist selbsterklärend. So dauert es auch nicht lange, bis die Band wiederkommt und insgesamt sechs Stücke verteilt auf zwei Zugaben darbietet. Schon in der ersten Zugabe sorgt man für Gänsehäute und Bewegung gleichermaßen, wenn Souls erklingt und auch The Queen of Time and Space vom 2011er Werk Quantum Mechanics hat sich inzwischen gut ins Gedächtnis gespielt. Die zweite Zugabe beinhaltet in der Folge mit Acid Ocean noch einen der beliebtesten Titel der jüngeren Jahre, im Anschluss beendet Blood-Thirst einen Abend, der kaum Wünsche offen ließ. Und wenn doch einer offenblieb, dann war es vor allem der, baldigst wieder dabei sein zu dürfen.

Setlist: Timekiller, Blood-Stained, Conjure, En Garde!, Blood-Diamond, The Dividing Line, Fire and Ice, I Am, Blood-Loss, IO, Blood-Pressure, Midnight Moon Misery, Pan, Rain, Terra Incognita, Teardrop, An End, Alpha Omega, Existence, Beholder
Zugabe 1: Continuum, Souls, The Longing, The Queen of Time and Space
Zugabe 2: Acid Ocean (Remix), Blood-Thirst

Text: Marius Meyer
Bilder: Sindy Kube