Nachdem man vor allem östlichere Regionen und partiell auch den Norden (Hannover) bespielt hat, ging die Reise für Project Pitchfork nun am dritten Wochenende ihrer Tour runter in den Süden. Nachdem am Donnerstag bereits Stuttgart auf dem Plan war, war man zum Beginn des Wochenendes in München, um das dortige Publikum mit seiner Anwesenheit zu beehren. Und das natürlich weiterhin im Dreierpack inklusive BhamBhamHara und Eisfabrik als Support-Acts.

Unglücklich für BhamBhamHara war an diesem Abend, dass sich im hinteren Bereich der Halle mehrere Schlangen bildeten: eine am Einlass, eine an der Garderobe und mehrere am Getränkestand. So kamen sehr wenige Leute nach vorne – was für beide Seiten sehr schade war, denn die Band bot in Dreierbesetzung launigen Elektro, der oberflächlich positiv wirkte, aber auf der zweiten Ebene vom ironischen bis sarkastischen Unterton lebte. Schon, wenn eröffnend So ‘ne schöne Welt besungen wurde, merkte man, dass die Welt so positiv gar nicht sein kann. Zwar ist es so, dass „wir feiern und wir springen“, aber wenn man sich die Stücke genauer anhört, ist selbst ein Positiv gar nicht so positiv. Wenn das abschließende Nur für euch dann „nur für uns“ sein soll, merkt man wiederum auch im Text bereits, dass hier eine deutliche Gesellschaftskritik drin steckt. Ein guter Start in den Abend, der Laune machte, aber auch eine beachtliche zweite Ebene enthielt.

Setlist: So ‘ne schöne Welt, Wir feiern, Positiv, Kreislauf, Nur für euch

Es folgten nach kurzer Umbaupause die bereits Project Pitchfork-Tour erprobten Eisfabrik, die auch in München wieder auf eine kleine, aber treue Fanbase setzen konnten. Lange Bärte, Wintermützen, ein Yeti… Teile des Publikums wussten, was sie erwartet, der Rest wunderte sich vor dem Auftritt noch über diverse Gewandungen, wusste aber bald, was es damit auf sich hat. Und auch in München konnten Eisfabrik mit ihrem tanzbaren Elektro überzeugen. Das frostige Bühnenbild von Dr. Schnee, Der Frost und Celsius machte bereits vor der Show neugierig, während der Show konnte auch das Gesamtpaket überzeugen.

Beim noch nicht Eisfabrik-affinen Publikum wurde die Neugierde bereits im Opener Eisplanet gesteigert, als von dem Planeten mit 185 Grad unter Null die Rede war, der kurze Zeit darauf in pulsierenden Elektro überging. Bereits im Folgestück Polar Night merkte man, dass auch der Wechsel zwischen den Sprachen zur Abwechslung bei Eisplanet beiträgt. Tanzbarer Elektro, früher hätte man es wohl Future-Pop genannt, eine ausgereifte Bühnenshow und eben wirklich gute Musik sorgten für ein gelungenes Set von Eisfabrik, die auch an diesem Abend ihre Fanbase vergrößert haben dürften. Unterhaltsame Momente wie der große Roboter bei Maschinen und der Yeti im Schluss-Stück Friends reicherten ein Set an, das auch fernab der Show-Elemente überzeugen konnte.

Setlist: Eisplanet, Polar Night, Walking Towards The Sun, A Million Lights, Strom, Far Away, Maschinen, Friends

Zur Show von Project Pitchfork waren dann auch alle versammelt und in den gut gefüllten reihen war die Stimmung hervorragend. Angeheizt durch den Opener Timekiller sollte sich das auch in der Folge nicht ändern und man spielte sich durch ein Set, das zwar nach wie vor immer wieder drauf hinwies, dass man sich hier auf dem zweiten Teil der Tour zum Album Blood befindet, wie schon an zweiter Stelle mit Blood-Stained, aber auch genau wusste, dass hier ein Publikum anwesend war, das sich durch all die Phasen der Band zusammenfand. Sei es Conjure aus der Frühzeit, I Am aus den frühen Nuller-Jahren oder auch Rain aus den jüngeren Werken, es passte hier.

Auch in München viel dabei wieder auf, wie viele Klassiker sich inzwischen in der Diskographie von Project Pitchfork finden. Da kann man ein En Garde! locker mal an vierter Stelle raushauen, denn mit Stücken wie IO von 1994 oder auch Fire And Ice vom Debüt-Album hat man genug Material im Gepäck. So gelingt es, ein bis zum Schluss abwechslungsreiches und mit Höhepunkten gespicktes Set vorzulegen, das mit Alpha Omega, Existence und Beholder ein beachtliches Finale vorlegen kann. Natürlich war das nur ein vorläufiges Finale – schließlich sind Project Pitchfork nicht gerade für kurze Sets bekannt. Und schon gar nicht ohne Zugabe.

Gleich zwei Zugabenblöcke mit insgesamt sieben Stücken hatte man sich für München aufgehoben und glänzte in der ersten Zugabe unter anderem mit dem Evergreen Souls und dem melancholisch-verliebten The Longing, bevor The Queen Of Time And Space Teil 1 der Zugabenblöcke beendete. Aber auch Block 2 konnte mit Mine noch ein Stück vorweisen, das nicht immer live zu hören ist. Acid Ocean gehört indes zu den (zu recht!) unverzichtbaren Standards und Blood-Thirst beendete einen hervorragenden Konzertabend dann standesgemäß. So wusste man: Es war nicht das letzte Mal! Und als Schreiber dieses Berichts wusste man: Morgen mehr…

Setlist: Timekiller, Blood-Stained, Conjure, En Garde!, Midnight Moon Misery, Blood-Diamond (See Him Running), The Dividing Line, I Am, Blood-Loss (Sometimes), View From A Throne, IO, Fire And Ice, Blood-Pressure (Just For My Pleasure), Rain, An End, Alpha Omega, Existence, Beholder
Zugabe 1: Continuum, Souls, The Longing, The Queen Of Time And Space
Zugabe 2: Acid Ocean, Mine, Blood-Thirst

Text und Bilder: Marius Meyer