Geht man von München aus weiter Richtung Süden, so ist bald die Landesgrenze erreicht. Gerade bei Bands, die sich im eigenen Land einen gewissen Status erspielt haben, ist es dabei immer wieder interessant, auch einmal Konzerte jenseits der Landesgrenze zu besuchen. Ein guter Grund also, mal über die Grenze zu reisen und Project Pitchfork bis nach Wien zu folgen, wo im beschaulichen kleinen Club „Szene“ am Folgeabend zu München das bewährte Triple aus BhamBhamHara, Eisfabrik und Project Pitchfork die Bühne betrat.

Waren es in München noch diverse Schlagen am anderen Ende der Halle, so war es in Wien eher eine gewisse Gemütlichkeit im Publikum, die dazu führte, dass BhamBhamHara um 20 Uhr vor einem sehr überschaubaren Publikum spielten, bei dem man noch jeden Zuschauer einzeln hätte begrüßen können. Schade eigentlich, denn trotz kleinerer technischer Probleme konnten die ironisch-sarkastischen und dabei sehr tanzbaren Nummern des live als Trios agierenden Projekts überzeugen. Einige der anwesenden Zuschauer wussten dies auch bereits, sodass zumindest vereinzelt Bewegung und auch Merchandise im Publikum zu sehen waren. Trotz der kleinen Menge konnte man angelehnt an den Opener So ‘ne schöne Welt subsumieren: So ein schöner Auftritt!

Setlist: So ‘ne schöne Welt, Wir feiern, Positiv, Kreislauf, Nur für euch

Auch Eisfabrik hatten noch mit recht lichten Reihen zu kämpfen, konnten sich aber selbst in Österreich auf eine treue Fanschar verlassen. Da wurden die Bärte gezückt, ein Yeti huschte durchs Publikum und der Rest des Publikums merkte: Hier spielt eine Band, die auf ihre Weise die Leute zu erreichen scheint. So wurde man neugierig auf das „Warum?“ gemacht und merkte es dann auch, als die Band mit dem titelgebenden Opener des neuen Albums Eisfabrik die Bühne betrat. Das folgende Polar Night passte dann nicht nur zum abrupten Klimawechsel vor dem Club, sondern nahm auch das Publikum ein. Tanzbare Elektro-Klänge, die Club-Atmosphäre und Tanzbarkeit verbreiteten.

Nach und nach nahmen die Zuschauer die Einladung zum Tanz an und ließen sich von der gut inszenieren frostigen Bühnenshow anstecken. Stücke wie Strom sorgten für viel Bewegung und man merkte auch im fernen Wien erneut, dass Project Pitchfork mit Eisfabrik eine wirklich gute Wahl als Vorband getroffen hatten. Die Bühnenshow mit Kunstschnee, autonomer Maschine zu Maschinen und dem Yeti im abschließenden Friends konnte das Publikum immer mehr auf die Seite von Eisfabrik ziehen, sodass nach einem zögerlichen Beginn zu konstatieren ist, dass Eisfabrik die Qualität haben, auch ein ihnen neues Publikum in den Bann zu ziehen. Sehr stark!

Setlist: Eisplanet, Polar Night, Walking Towards The Sun, A Million Lights, Strom, Far Away, Maschinen, Friends

Als dann gegen 21:30 Uhr Project Pitchfork die Bühne betraten, war beim Blick durch den kleinen Saal der Szene Wien zu sehen: Es hatte sich inzwischen doch ein ansehnliches Publikum eingefunden – auch in Wien wurden Project Pitchfork erwartet. Ein erlesenes, aber dafür umso erwartungsvolles und im selben Moment auch dankbares Publikum war es, das der Band um Peter Spilles hier von den ersten Tönen von Timekiller hier an den Lippen und Klängen hing. Die Menge war gut anzusehen, es bedurfte keiner Schubsereien und es verbreitete sich eine harmonische Stimmung im Saal, bei der jeder nach seinen Wünschen mitgehen konnte.

Auch hier war es wieder ein Set, das natürlich auch sehr dazu einlud. Ein Best Of durch die Diskographie der Hamburger Formation, das das aktuelle und der Tour ihren Anlass gebenden Album Blood nicht außen vor ließ und dabei immer wieder Brücken schlug zwischen den vielen Veröffentlichungen. Selbst ein Titel wie View From A Throne aus der im Jahr 2002 sehr polarisierend rezipierten NUN-Trilogie fügt sich da gut ein und steht erstaunlich harmonisch neben dem 1994 veröffentlichten IO. So sehr man bei den jeweiligen Veröffentlichungen die verschiedenen Zeiten zu differenzieren versuchte, so sehr fiel live auch in Wien wieder auf: Es ist stets ein roter Faden im Schaffen der Band zu erkennen.

Auch in Wien sollte natürlich mit Beholder noch nicht das Ende erreicht sein. Als man dann die erste Zugabe mit Souls startete, war die Stimmung logischerweise auf einem Siedepunkt und auch, als die erste Zugabe mit The Queen Of Time And Space zu Ende ging, hatten die Wiener noch nicht genug. Die zweite Zugabe sorgte mit Acid Ocean und Blood-Thirst für einen harmonischen Ausklang des Abends. Ein Abend in einem kleinen Rahmen, an dem sich in der Folge auch die Band noch draußen zeigte und munter Fotos mit sich nehmen ließ, signierte und sich sichtlich an der guten Zeit in Wien erfreute. Am Ende also ein begeisternder Abend für alle Beteiligten!

Setlist: Timekiller, Blood-Stained, Conjure, En Garde!, Midnight Moon Misery, Blood-Diamond (See Him Running), The Dividing Line, I Am, Blood-Loss (Sometimes), View From A Throne, IO, Fire And Ice, Blood-Pressure (Just For My Pleasure), Rain, An End, Alpha Omega, Existence, Beholder
Zugabe 1: Souls, The Longing, The Queen Of Time And Space
Zugabe 2: Acid Ocean, Blood-Thirst

Text und Bilder: Marius Meyer