Was man von Project Pitchfork-Touren inzwischen gewohnt ist: Zumeist kann man sich auf einen ausgiebigen Konzertabend freuen, denn zwei Vorbands gehören meist zum Standard. So auch bei diesem Mal, wo Monica Jeffries und Eisfabrik das Vorprogramm bestreiten. Und was die Konzerterfahrung längst gelehrt hat: Die besten Konzerte erlebt man mitunter dort, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Die ausverkaufte und schweißtreibende Show am Abend zuvor in Berlin war zwar ebenfalls sehr gut, Rostock jedoch bezeichnet man dann lieber mit dem Wort „Erlebnis“.

Pünktlich um 20 Uhr betrat zunächst einmal Monica Jeffries die Bühne, was leider für manch einen zu pünktlich war, denn laut ihrer Facebook-Seite wäre sie erst 20:30 Uhr auf die Bühne gegangen. Die Anwesenden erlebten ein angenehm-eingängiges und gleichermaßen tanzbares Set der sympathischen jungen Dame, die trotz ihrer zurückhaltenden Art eine einnehmende Wirkung hatte, obgleich die Musik überwiegend aus ihrem Notebook kam. Stücke wie The Road Ahead sind tanzbarer Synthie-Pop, die Stimme kann sich hören lassen. Auch eine Coverversion von Absolute Body Control fügt sich da hervorragend ins Set ein, sodass man erst einmal erkennen muss, dass da Surrender No Resistance läuft und keine Komposition von Monica Jeffries. Die „Moonlight Version“ von Waiting For Godot beendet dann einen kurzen und erfreulichen ersten Auftritt des Abends.

Setlist: The Road Ahead (Extended Version), Old Demons, Drowning in Love (Extended Version), Surrender No Resistance (Absolute Body Control Cover), Waiting For Godot (Moonlight Version)

Eine kurze Umbaupause später dann eine Band, die ihre Musik für sich sprechen lassen will. Hintergrund: Hier stehen eingesessene Musiker an den Keyboards, die sich aber aus ebendiesem Grund nicht zu erkennen geben wollen. Also versteckt man sich hinter langen Bärten und kältetauglichem Kostüm und tritt als Eisfabrik auf. Ein interessantes Konzept, das durch und durch aufgeht. Tanzbarer Synthiepop mit Tempo, durchaus charismatisch dargeboten. Mit Stücken ihres Debüt-Albums When Winter Comes im Gepäck konnten sie überzeugen. Stücke wie Polar Night haben auf der einen Seite kühlen Elektro-Scapes, auf der anderen Seite aber auch eingängig-erwärmendes Potenzial. Abwechslungsreiche Arrangements und Bewegung auf der Bühne lassen ein rundes Set entstehen, Titel wie Unreal> oder auch A Million Lights sorgen für Bewegung, für eine Überraschung sorgt zudem die Schneekanone. Zum Schluss kommt dann auch noch während Friends ein Yeti auf die Bühne und sorgt für gute Unterhaltung. Ein kurzweiliger Auftritt, der Spaß gemacht hat!

Setlist: Ice Crystal, Polar Night, Without You, Always Continue, Unreal, Without You, A Million Lights, Friends

Danach dann aber Project Pitchfork, die bereits erwartet wurden, wie die gut gefüllte Halle zeigte. Natürlich, man wollte das aktuelle Album Blood präsentieren, so wurde auch mit Blood-Diamond eröffnet, aber als direkt danach Timekiller folgte wusste man: Album-Präsentation ist das eine, den Fans einen guten Abend mit vielen Hits bieten und gemeinsam feiern das andere Ziel. Eines, das aufging – der Pit in den ersten Reihen hatte seinen Spaß, das Drumrum ebenfalls, es wurde schlichtweg friedlich gefeiert, Rücksicht aufeinander inklusive. So, wie es sein soll. Hervorragende Musik inklusive. Wie schnell Stücke manchmal zu Publikumslieblingen werden können, zeigte erneut Acid Ocean, das in punkte Eingängigkeit und Tanzbarkeit locker mit den alten Gassenhauern mithalten kann.

Apropos alte Gassenhauer: Die gab es natürlich nebst den neuen Titeln wie Blood-Pressure, Blood-Thirst usw. zuhauf. En Garde sorgte für Begeisterung, Souls glänzte als Evergreen, Conjure wurde in Rostock deutlich zur Hymne, als letztes Stück ging man noch einmal bis zum bis zum Debüt Dhyani zurück und spielte Fire And Ice, dessen Chorus im Publikum nach wie vor textsicher sitzt.

Ein Text hingegen, der nicht so sicher sitzt, auch beim Sänger selbst, war in der Zugabe zu bestaunen. Es war einer dieser Momente, die die häufigen Konzertbesuche bei ein und derselben Band immer wieder besonders machen können. Eigentlich sollte Onyx gespielt werden, Jürgen Jansen startete jedoch versehentlich One Million Faces im Remix der Bonus-CD von Dream, Tiresias!. Dank Tablet-Unterstützung war der Text für Peter Spilles schnell greifbar und diese erste Zugabe wurde zum besonderen Erlebnis. Die zweite Zugabe enthielt mit Existence noch einmal eine Nummer zum kollektiven Ausrasten, Fear hingegen den besinnlich-eingängigen Schluss. Schluss eines Club-Konzerts, das auch genau dieses Feeling bot. Rundum gelungen!

Setlist: Blood-Diamond, Timekiller, Blood-Loss, Alpha Omega, Acid Ocean, Blood-Stained, Beholder, Queen Of Time And Space, Blood-Pressure, En Garde, Blood-Thirst, Rain, Souls, Blood-Line, Conjure, Carnival, Fire And Ice
Zugabe 1: God Wrote, One Million Faces (Remix)
Zugabe 2: Existence, Fear

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Text und Bilder: Marius Meyer