Tag der Legenden am Tanzbrunnen in Köln. Nachdem der Konzertveranstalter Noisenow unter der Leitung von Ernst Ludwig Hartz, schon einige Helden der Musikhistorie, wie etwa unlängst die Hardrock-Ikone Alice Cooper und die Boogie-Institution Status Quo auf dem wunderschönen Kunst!Rasen in den Bonner Rheinauen auf einer Bühne präsentierte, kamen dieses Mal die Fans von Marillion und Supertramp voll auf ihre Kosten. Mit dem Sänger Fish, der mit seinen Bühnenoutfits und wilden Maskierungen sehr für den Erfolg von Marillion verantwortlich war und mit Roger Hodgson, der einen Großteil der Supertramp-Hits schrieb und sang, hatten die Musikliebhaber beider Bands ihren großen Tag.

Punkt 18 Uhr kam die Sonne zum ersten Mal an diesem Tag heraus und pünktlich dazu erschien Derek William Dick, den die Musikwelt als Fish kennt, mit seiner überragenden Band und nach einem Warmmachsong, der Nummer Pipeline aus dem Album Suits von 1994 und einiger launigen Ansage, dass man jetzt in der Zeit um 30 Jahre zurückgehen in eine Zeit, wo man noch Haare hatte und einige andere Gebrechen noch nicht da waren, brandete ein orkanartiger Jubel auf, als die ersten Klänge des Albums Misplaced Childhood aus dem Jahre 1985 erklangen und was dann die nächsten 45 Minuten passierte, lässt sich mit emotionaler Hingabe aller Beteiligten nur kaum beschreiben. Ein Sänger, der bestens bei Stimme war, eine Band die alles gab und ein beseeltes Publikum, das alle Texte bestens beherrscht, vermittelten den Eindruck, als wäre dieses Prog Rock-Album der Spitzenklasse erst jüngst erschienen.

Die Titel sind aber auch noch immer allgegenwärtig und Nummern wie Kayleigh, Lavender oder Heart of Lothian sind Klassiker, dass sich ein Profi wie Fish auch nicht von technischen Schwierigkeiten aus dem Konzept bringen lässt, beweist er, als bei Gitarrist Robin Boult der Verstärker den Geist aufgibt und er das Publikum einfach so lange weitersingen lässt, bis der Verstärker getauscht ist. Nach Misplaced Childhood dann noch eine wohlbekannte Marillion-Nummer mit Market Square Heroes und dann geht ein denkwürdiges Konzert eindrucksvoll zu Ende.

Setlist: Pipeline, Pseudo Silk Kimono, Kayleigh, Lavender, Bitter Suite, Heart of Lothian, Waterhole (Express Bongo), Lords of the Backstage, Blind curve, Childhoods End, White Feather
Zugabe: Market Square Heroes, The Company

Nach diesem Support war es nicht leicht, mittlerweile bei Regen, der den Tanzbrunnen erreicht hatte, die Stimmung auf dem Siedepunkt zu halten, aber daran erkennt man einen Vollprofi, denn genau das gelang Roger Hodgson perfekt. Mit launigen Ansagen wie etwa der Frage, ob die jüngeren Zuschauer ihn überhaupt kennen würden oder ob sie von Ihren Müttern hergeschleppt wurden oder ob man nicht besser It’s raining again schon früher spielen sollte, wegen der Wetterentwicklung.

Genauso locker wie seine Ansagen, ist dann auch die musikalische Darbietung, die Hodgson bietet. Nach einigen deutschen Worten des langjährigen Mitstreiters Aaron MacDonald (Keyboard, Saxofone und Gesang), erklingt dann sogar Viva Colonia, gesungen von den rund 3000 Fans über den Tanzbrunnen.

Aber der Kölner feiert bekanntermaßen nicht nur sich und seine Stadt, sondern auch das Dargebotene und das ist wirklich von erlesener Qualität. Es beginnt mit Take the long way home von der Band, mit dessen Geschichte er bis zu seinem Ausstieg im Jahr 1983 er unzertrennbar verbunden war und die auch auf Tournee gekommen wären, wenn nicht Rick Davies, der andere Gründer von Supertramp schwer erkrankt wäre.

Aber auch alleine klingen die Nummern von Supertramp tadellos und so können sich die vielen Fans, über einige Songs wie etwa School, Breakfast in America, Dreamer, The Logical Song, Fools Overture oder Give a little bit freuen, gespickt mit einigen der Solo-Hits von Roger Hodgson wie In Jeopardy oder Had a dream.

Ein toller Abend mit zwei Protagonisten, die niemanden mehr was beweisen müssen.

Setlist: Take the long way home, School, In Jeopardy, Lovers in the wind, Breakfast in America, Lady, Easy does it, Sister Moonshine, The Logical Song, Lord is it mine, Had a dream, Death and a Zoo, If everyone was listening, Child of Vision, Dreamer, Fools Overture
Zugabe 1: Give a little bit, It’raining again
Zugabe 2: Breakfast in America

Text: Dennis Kresse
Bilder: Beautiful Day Media (Roger Hodgson), Kai R Joachim (Fish)