Eine Tour, ohne ein aktuelles Album zu haben? Klingt ungewöhnlich, wenn man nicht gerade Sisters of Mercy heißt, kann aber durchaus funktionieren. Das bewiesen Stahlmann in diesem Herbst, denn obwohl ihr aktuelles Album Adamant bereits seit April 2013 auf dem Markt ist, konnten sie sich einer gut angenommenen Tour mit einem sehr dankbaren Publikum erfreuen. So auch in Magdeburg, wo wir das Vergnügen hatten, am frühen Abend Sänger Mart zu interviewen (in Kürze hier zu lesen), bevor die Band am Abend in der Factory auf der Bühne stand.

Zuvor aber standen erst einmal um 20:30 Uhr Mundtot als Support-Act auf der Bühne, die sich an diesem Abend als gute Wahl erwiesen. Mit Stücken ihres aktuellen Albums Schatten sowie Stücken ihres Debüts Spätsommer konnten sie beim anwesenden Publikum zunehmend punkten, auch wenn die Eröffnung mit Nacht noch etwas verhalten wirkte. Ein wuchtiges Stück mit satten Gitarren, das aber neugierig machte und nach und nach die Leute zur Bühne lockte. Die druckvolle Gothic Rock-Nummer Schönster Traum zog dann schon deutlich mehr. Zeilen wie „Du machst dir deine Welt, wie sie dir gefällt und alles andere siehst du nicht“ trafen genau den Nerv des Publikums und so hatten Mundtot ein angetanes Publikum, das zum Schluss bei Einsamkeit und Zweifel sogar erfolgreich zum Mitsingen im Chorus animiert werden konnte. Ein sehr guter Auftakt!

Setlist: Nacht, Schönster Traum, Lebensleid, Endzeit, Schwarz/Weiß, Zweites Gesicht, Virus Mensch, Einsamkeit und Zweifel

Nach einer kurzen Umbaupause, die einen willkommen Anlass bot, mal das Merchandise von Mundtot zu begutachten, wo reger Betrieb herrschte und Zeit, etwas Kühles zu trinken und/oder noch einmal an die frische Luft zu gehen, war dann bald der Headliner Stahlmann an der Reihe. Das Make-up in Form der silbernen Farbe saß und nachdem nahezu traditionell mit Willkommen eröffnet wurde, wusste man bei Adrenalin: Ja, das liegt hier definitiv in der Luft. Die Band spielte sich gut gelaunt durch ihr Programm, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und ließ sich auch nicht davon beirren, dass die Factory nicht gerade dadurch glänzte, besonders gut gefüllt zu sein. Musste sie auch nicht, denn diejenigen, die da waren, feierten dafür umso mehr.

Alteingesessene Stücke wie Hass mich … lieb mich standen gut neben den auch inzwischen beim Publikum verinnerlichten Stücken von Adamant wie beispielsweise Der Schmied oder auch das mit Augenzwinkern zu betrachtende Schwarz. Auch, wenn bis zu einem neuen Album noch ein wenig Zeit vergehen wird, war beispielsweise mit Auf Feindflug bereits eine erste Kostprobe zu hören, angekündigt mit dem Hinweis, dass die Band in Zeiten, in denen alle ruhiger und langsamer werden, einfach mal das Gegenteil machen und das Tempo anziehen. Gesagt, getan. Satte Gitarrenklänge, ein druckvolle Klänge und der schnelle Chorus zeigen: Auch auf dem neuen Album gibt es einiges zu erwarten.

Klar, dass die Band nach Tanzmaschine die Bühne nicht endgültig verlassen durfte und noch für ein paar Nummern wieder kam, bevor die Show vorbei war. Eine gelungene Show am Samstagabend in der Magdeburger Factory, die durch und durch überzeugen konnte.

Setlist: Willkommen, Adrenalin, Stahlmann, Am Grunde, Hass mich … lieb mich, Herzschlag, Der Schmied, Teufel, Stahlwittchen, Auf Feindflug, Süchtig, Marschieren, Spring nicht, Engel der Dunkelheit, Schwarz, Tanzmaschine
Zugabe 1: Spiegelbild, Traumfrau
Zugabe 2: Asche

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Text und Bilder: Marius Meyer