Ein Feiertag für alle Folkfreunde war das Konzert der großartigen Folkmusikerin aus New York Suzanne Vega, die in der anheimelnden Atmosphäre des Gloria ihre wunderbaren Texte sang und von Seth Lakemann, der mit seinem Album Word of Mouth einer der neuen Stars dieser herrlichen Musik werden konnte und Alternativmusik.de gelang es, beide Protagonisten im Vorfeld dieses Abends zu sprechen und einiges Wissenswerte zu erfahren, was in den nächsten Tagen genau an dieser Stelle zu finden sein wird. Aber erstmal ein Bericht über eines der emotionalsten Konzerte seit langem, was wunderbarerweise viele ruhige Momente bot, was ja in den Zeiten eines eher unruhigen Publikums, gar nicht genug betont werden kann.

Es begann um kurz nach acht mit dem Auftritt von Seth Lakeman, der zu Beginn nur mit einer Geige und später mit einer Gitarristin so manches Kleinod unter das erwartungsfreudige und gespannte Publikum brachte. Entstanden sind alle Songs auf Word of Mouth im Gespräch mit Zeitzeugen und diese Interviews sind derartig interessant, dass man dem Poeten an den Lippen hängt und sich die Geschichten eines Überlebenden des Titanic-Untergangs in The Saddest Crowd oder wie die anderen Songs, die von Eisenbahn- und Dockarbeitern, Gewerkschaftern, Kriegsveteranen und anderen Menschen konzentriert anhört. Wie er Alternativmusik.de im Interview versprach, kommt Seth Lakeman bald auch auf Solotour.

Dann endlich der Auftritt von Mrs. Suzanne Vega, jener Ausnahmekünstlerin, die mit ihrem Album Solitude Standing und der Hitsingle „Luka“ einen großen Erfolg feiern konnte und der hält auch mehr oder minder bis zum heutigen Tage an. Dass sie genau weiß, wie man ein Publikum in den Griff bekommt, beweist sie mit dem Opener Marlene on the wall einer Nummer ihres Debütalbums Suzanne Vega aus dem Jahr 1985, die sich immer noch größter Beliebtheit erfreut.

Geschickt verknüpft die Songpoetin Hits aus ihrer Vergangenheit mit den Stücken ihres neuen Albums Tales From The Realm Of The Queen Of Pentacles und bietet diese nur mit einer Akustikgitarre und unterstützt von nur einem Gitarristen dar. So kommen Songs wie Crack in the wall oder Don’t uncork what you can’t contain besonders intim zur Geltung. Aber auch die wohlbekannnten Songs wie die erste MP3 aller Zeiten Tom‘s Diner werden in der Livefassung zu großen Nummern, was auch daran liegt, dass sich Vega nicht vereinnahmen lässt und so wenig Platz für Fremdschämen bietet, wie es ihren Kollegen bei Mitsingteilen des Öfteren passiert ist.

Nichtsdestotrotz ist die Vega jemand, die mit ihrer offenen Art die Leute begeistern kann, einige Anekdoten erzählt und sogar Publikumswünsche, wie In Liverpool mit ins Konzertprogramm aufnimmt. Was für ein wunderschöner Abend, der ganz schön leise war – und das tat auch mal ganz gut.

Setlist: Marlene on the wall, Caramel, Fool’s complaint, Crack in the wall, Jacob and the angel, Small blue thing, Gypsy, The Queen and the soldier, Don’t uncork what you can’t contain, Song of the stoic, Blood makes noise, Left of center, I never wear white, Luka, Tom’s Diner, Walk on the wild side (Lou Reed Cover), Horizon (There is a road), Rosemary, In Liverpool, Some Journey

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Text: Dennis Kresse
Bilder: Cooking Vinyl