Diesmal haben The Mission es erst gar nicht versucht. Sie haben ja schon mehr als eine Abschiedstour hinter sich, diesmal war es eine ganz reguläre Tour – The Mission gehören eben einfach auf die Bühne. Sieht man sich an, wie Wayne Hussey auch im gesetzteren Alter noch glaubwürdig die Rampensau gibt, weiß man warum. Kurz vor Weihnachten ging es in diesem Jahr noch einmal für ein paar Termine auf die Bühnen und dabei unter anderem auch nach Hamburg und nach Köln. Wir schauten uns beide Abende an.

22.12.2013 – Hamburg, Markthalle

Im Vorprogramm aber erst einmal: Eklipse. Die vier Damen, die kürzlich mit Electric Air ihr zweites Album veröffentlicht haben, haben sich in Schale geworfen und spielten zwischen Straßenlaternen auf der Bühne bekannte Stücke im Band-eigenen Streichergewand. Eröffnet mit Teardrop, das mit langsamem Aufbau die Spannung steigerte, stiegen sie in ein kurzweiliges Set mit insgesamt sieben Stücken ein und nahmen sich gleichermaßen Pop-Stücken, Balladen und Elektrosongs an. Dass man einen Klassiker wie Where The Wild Roses Grow auch auf klassischen Instrumenten spielen kann, verwundert nicht, klingt aber denkbar schön. Spannend hingegen ist beispielsweise Apoptygma Berzerks Gassenhauer Until The End Of The World, der gut interpretiert wird. Zum Ende hin wurde dann noch ein Bogen geschlagen zu The Missions Wayne Hussey, als der weibliche Vierer You Spin Me Round (Like A Record) von Dead Or Alive spielte, bei dem besagter Wayne Hussey ebenfalls seine Finger im Spiel hatte. Nach sieben Stücken war dann Schluss. Ein sehr gelungener Auftakt!

Setlist: Teardrop, Supermassive Black Hole, Where The Wild Roses Grow, We Are The People, Until The End Of The World, You Spin Me Round (Like A Record), Sweet Dreams

Eine kurze Umbaupause später dann The Mission, die ihr Set mit Black Cat Bone vom aktuellen Album The Brightest Light begonnen. Dass es aber insgesamt eher ein Best Of werden sollte, wurde direkt beim folgenden Beyond The Pale deutlich, das einen ins Jahr 1988 zum Album Children zurückversetzte. Genau der richtige Ansatz, was auch zu sehen war, wenn man sich im Publikum umsah, in dem viele langjährige Fans mit T-Shirts aus allen möglichen Schaffensphasen der Band zu sehen waren. Diese erfreuten sich an Klassikern wie Naked and Save, Garden of Delight, Butterfly on a Wheel und wie sie alle heißen. Wayne Hussey zeigte sich bei all dem – trotz anfänglicher Probleme mit dem Mikrofon – gut gelaunt, was auch in seinen Ansagen zu spüren war.

Nach dem umjubelten Wasteland folgte noch der Swan Song, dann sollte erst einmal Schluss sein. Vorerst, denn es dauerte nicht lange, bis Wayne Hussey nur mit Gitarre und Rotwein bewaffnet wieder auf die Bühne kam, um solo Like a Child Again zu spielen, um anschließend die erste Zugabe mit Like A Hurricane (sehr zur Freude des Fans mit Neil Young & Crazy Horse-Shirt) und dem Dauerbrenner Deliverance zu beenden. Einige deuteten die Musik vom Band bereits als Konzertende, als die Bühne wieder in Scheinwerferlicht getaucht wurde, merkte man aber: Das ist der Beginn von Tower of Strength. Damit wurde ein gelungener Schlusspunkt eines mehr als gelungenen Vorweihnachts-Konzertes der alten Helden von The Mission gesetzt. Wie gut, dass es diesmal keine Abschiedstour war.

Setlist: Black Cat Bone, Beyond The Pale, Serpents kiss, Naked and Savage, Girl With The Fur Skin Rug, Garden Of Delight, Severina, Butterfly on a Wheel, Everything But The Squeal, Crystal Ocean, Wasteland, Swan Song
Zugabe 1: Like a Child Again (Wayne Hussey solo), When The Trap, Like A Hurricane, Deliverance
Zugabe 2: Tower of Strength

23.12.2013 – Köln, Live Music Hall

Auch in Köln konnte man sich über mangelndes Entertainment von Wayne Hussey nicht beschweren, auch wenn das Konzert mit einigen technischen Problemen begann, die die gute Laune des Missionars zumindest zeitweise ein wenig trübten. Seinen Ärger über die Gitarrenrechnik ließ er am Roadie mit übertriebenen Gesten aus. Aber dass er trotzdem eine überragende Show mit einer bis in die Haarspitzen motivierten Band bot, das beweist die Klasse von The Mission.

Erneut wurde die Show von Eklipse eröffnet, die die anfangs skeptischen Kölner erstens mit ihrem Aussehen und zweitens mit einem viel wichtigeren Grund, nämlich ihrer Musik, binnen des Openers, einem Cover der Massive Attack-Nummer Teardrop auf ihre Seite bringen konnten. Ein echter Hochgenuss der vier Damen, die ihre Streichinstrumente wirklich beherrschen.

Dann zu einer, auch für Kölner Verhältnisse ungewohnt frühen Anfangszeit, für einen Hauptact, nämlich um 20:15 zur Primetime, The Mission mit exakt der gleichen Setlist wie in Hamburg. In der Besetzung Wayne Hussey, Simon Hinkler, Craig Adams und Mike Kelly zeigten sie, dass sie auch nach diversen Unterbrechungen zu einer der besten britischen Bands der letzten drei Dekaden gehören.

Auch wenn Hussey wie gesagt mit dem Gitarrensound nicht ganz so zufrieden war, was er in launigen Ansagen immer wieder betonte: Er ist und bleibt eine Rampensau und weiß genau, was seine Fans wollen. Sei es durch den Running Gag, dass man das neue Album der Band auch am Merchandise Stand erwerben kann, immerhin ist ja morgen Weihnachten oder dadurch, die Bandvorstellung auch mal dem Publikum zu überlassen.

Wenn man dann noch diese hymnischen Songs der Band nimmt, wie etwa das mit einem grandiosen Mitsingteil veredelte Deliverance,dann kann man nur von einem sehr gelungenen Abend reden, auch wenn man nach dem letzten Song Tower of Strength noch einen Roadie als Weihnachtsmann verkleidet mit einem kleinen, schmutzigen Lied sehen musste. Es war immerhin Tourabschluss – und dafür war das doch relativ harmlos.

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Text: Marius Meyer (Teaser und Hamburg), Dennis Kresse (Köln)
Bilder: Marius Meyer