Selbst schuld, wer sich an diesem Abend nicht im E-Werk Köln einfand und die Präsentation des neuen Notwist-Werks Close to the Glass verpasste. Das erste Album der Indieband aus Weilheim seit sechs Jahren (wenn man den Soundtrack Sturm außen vor lässt) und es ist, wie nicht anders zu erwarten, ein Werk geworden, das mit seinen liebenswerten Eigenheiten, die The Notwist sich von anderen Bands dieses Genres abheben lassen, begeistern kann. Wie gut diese Band ihre Stücke performt und mit was für einer Spielfreude die Mannen um die Gründer Markus Archer und seinen Bruder Micha, zu denen sich dann noch Martin „Console“ Gretschmann gesellte und seit einigen Jahren gehören auch Max Punktezahl und Andi Haberl dazu, zur Sache gehen, das konnte man bei einem der immer besonderen Konzerte von The Notwist eindrucksvoll sehen.

Ehe man aber in den Genuss der Notwist Songs kam, konnte man sich noch von den Qualitäten des Support-Acts Jel übrzeugen, der in einem Mix aus Aphex Twin, Fat Boy Slim und anderen Big Beat Acts eine hochinteressante Dreiviertelstunde bot. Was dieser Jel, der als Jeffrey James Logans in den USA geboren wurde, mit den Händen aus seiner Wunderkiste an Sounds des alternativen Hip Hops herausholt, das sorgte für beste Unterhaltung im leider nicht ganz ausverkauften E-Werk.

Gegen 21 Uhr brandete dann Jubel auf, als The Notwist erschienen und mit dem Opener They follow me vom neuen Album Close to the Glass schnell klar machten, dass die Weilheimer auf lange Ansprachen verzichten würden und dafür ihre zu Herzen gehenden Klangwerke für sich sprechen lassen würden.

Wer aber Songs wie die neuen Stücke wie Kong, Casino oder Gravity vom neuen Album oder Klassiker wie Pick up the phone, Puzzle oder One dark love poem in seinem Repertoire hat, der braucht auch keine blumigen Worte zu finden, die Songs sprechen für sich allein, vor allen Dingen wenn sie mit so viel Herzblut gespielt werden wie von The Notwist.

Nachdem die Band knapp zwei Stunden begeistern konnte mit ihren unwiderstehlichen Klangexperimenten, die sich aber immer wieder in einen melodischen Song zurückfanden, ging ein denkwürdiger Abend zu Ende, verbunden mit der Hoffnung, dass man nicht wieder sechs Jahre auf neues Material von The Notwist warten muss.

Setlist: They follow me, Close to the Glass, Kong, Boneless, Pick up the phone, Into another tune, One with the freaks, This room, One dark love poem, Signals, 7 hour drive, Run run run, Casino, Gravity
Zugabe 1: Neon golden, Pilot
Zugabe 2: Gloomy planets, Chemicals, Consequence
Zugabe 3: Puzzle, My faults, Gone gone gone

Homepage: www.notwist.com
Facebook: www.facebook.com/thenotwist
Twitter: www.twitter.com/thenotwist

Text: Dennis Kresse
Bild: Jörg Koopmann