Einen Tag nach der Show von And One mitsamt drei Support-Acts führte der Weg gleich ein weiteres Mal in die Große Freiheit 36. An einem Samstag, sodass das altbekannte Phänomen auftrat: „Wir essen zeitig!“ Der Two Door Cinema Club spielte auf und hatte dann auch gleich mal zwei Support-Acts mit im Handgepäck, sodass frühes Erscheinen sinnvoll war. Nicht nur, weil die Support-Acts Kowalski und alt-J von hoher Qualität zeugten, sondern auch, weil entgegen der ausgelobten Anfangszeit von 19:30 Uhr der Anfang merklich vorverlegt wurde.

18:55 Uhr ging bereits das erste Mal das Licht aus und Kowalski, sozusagen als Vorvorband, betraten die Bühne. Gut für sie: Die Two Door Cinema Club-Fans waren heute sehr darauf bedacht, möglichst früh weit vorne zu stehen, sodass auch Kowalski sich bereits eines ansehnlichen Publikums erfreuen konnte. Noch schöner: Das Publikum konnte sich auch an ihnen erfreuen. Zwar haben Kowalski bisher kein Album in Deutschland veröffentlicht, dennoch erfreute sich ihr druckvoller Indie-Rock mit Breitwand-Appeal großer Beliebtheit, passte er doch auch gut in den heutigen Abend. Stücke wie Outdoors zeigten es sehr gut. Mit guter Stimmung nach vorn haben die Stücke etwas Hymnisches in sich, das man immer wieder merkte. Titel wie Navigate November, Let’s Start Over und das abschließende Get Back boten kurzweilige Unterhaltung. Mit Kowalski ist zu rechnen!

Nächster Programmpunkt: 19:45 Uhr. alt-J betraten die Bühne. Jüngst mit dem Mercury Music Prize in der Königskategorie „Bestes Album“ für ihr Album An Awesome Wave ausgezeichnet, waren die Briten bester Dinge, hier an diesem Abend für Two Door Cinema Club zu eröffnen. Als Oberbegriff macht die Band aus Leeds zwar schon Musik im Bereich Indie/Alternative, einer einfachen Klassifizierung aber entzieht sie sich. Mal verhangen, mal mit Folk-Einflüssen, dann wieder elektronisch, mit Chorälen… Langweilig wird bei alt-J zu keiner Zeit. Musik, die eigentlich gerade beim Erstkontakt sperrig wirkt, kam hier an diesem Abend erstaunlich gut an, was auch auf die großartige Bühnenpräsenz der Musiker zurückzuführen ist. Wenn man sieht, wie sie „drin“ sind in dem, was sie da machen, ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn sie es vermögen, ein junges Publikum, das auf den Two Door Cinema Club wartet, zu begeistern.

Noch einmal kurz gewartet, dann war es auch so weit – die Band, auf die der Großteil der Anwesenden gewartet hat, kam auf die Bühne. Der Two Door Cinema Club ließ sich auch nicht lange bitten und eröffnete mit Sleep Alone vom aktuellen Album Beacon, das der Band Platz 21 in den Media Control Charts und ein hohes Ansehen in Indie-Kreisen bescherte. Schließlich ja auch kein Zufall, dass die Große Freiheit 36 ausverkauft war. Mit treibendem Indie-Rock, der angenehm luftig wirkte, begeisterten sie von Beginn an das Publikum, das von den ersten Tönen an mitging. Auch der gleich an zweiter Stelle begegnende Ausflug zum Debüt Tourist History in Form der Nummer Undercover Martyn bewies die Textsicherheit im Publikum.

Das Trio spielte in seinem Set eine ausgewogene Mischung aus ihren beiden bisherigen Alben. Dabei wird das Rad keineswegs neu erfunden und Überraschungen bleiben auf der Strecke, dafür aber bieten Two Door Cinema Club einen Auftritt, der sie über jeden Zweifel erhaben zeigt. Handwerklich perfekt, dazu charmant präsentiert, merkt man, warum der Erfolg der Mannen so groß ist. Sun beispielsweise mit seinen Piano-Klängen, dazu dem Groove und der Eingängigkeit – das alles hat einen selbsterklärenden Charakter. Auch nicht weiter verwunderlich also, dass die Band ohne Zugabe nicht davon kommt. Come Back Home und What You Know sind da gern gesehene und gehörte Singles, mit denen man in den Abend entlassen wird. 21:45 Uhr ist es, die Große Freiheit macht sich für die Disco bereit – und auch die Fans des Two Door Cinema Club haben Grund zum Feiern, haben sie doch gerade einen schwer gelungenen Auftritt „ihrer“ Band miterleben dürfen.

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Rezension: Two Door Cinema Club – Beacon

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Text und Bilder: Marius Meyer