Wer es schafft, dass sich über 6.000 Besucher fühlen wie in einem verräucherten Club an der Seine, dem ist alles zuzutrauen. Beeindruckend, wie sich die 1980 in Tours als Isabelle Geffroy geborene ZAZ auf dem neuen Konzertgelände in Bonn, dem „Kunst! Rasen“ in der Nähe der Rheinauen, wo noch bis ins letzte Jahr das rennomierte Rheinkultur-Festival stattfand, präsentiert. Aber bevor die Bonner in den Genuss von ZAZ und ihren Chansons kommen konnten, hatte sich der französische Wirbelwind noch ein erlesenes Vorprogramm auf die Bonner Bühne gestellt, welches ebenfalls, zwar mit einigen anderen Klängen als denen von ZAZ, aber nicht weniger fesselnd und mit beachtlichem Können präsentierte.

Kurz nach 18 Uhr kommt Charles Pasi auf die Bühne des sonnendurchfluteten „Kunst! Rasen“ und schafft es binnen Sekunden mit seiner Mundharmonika und einer Mischung aus Blues, Jazz und Rockelementen, für Begeisterung zu sorgen. Der Frano-Italo hat die Sonne im Herzen und das merkt man ihm in den folgenden 45 Minuten auch an. Er und seine hervorragende Begleitband spielen sich durch Songs des feinen Albums Uncaged und begeistern immer wieder durch feinste Harpsoli auf bis zu 12 Mundharmonikas in verschiedenen Stimmungen. Er sagte Alternativmusik.de im bald folgenden Interview, dass er sich in keine Schublade stecken lässt und er ist in der Tat erstaunlich facettenreich. Man wird von Charles Pasi sicherlich noch einiges hören.

Danach kommt man bei Kyla La Grange gar nicht mehr runter von der Begeisterung über das Wetter und die charismatischen Vorbands. Eine zierliche Britin mit einer riesigen Stimme. Im Gepäck hat sie ihr jüngst erschienenes Album Ashes und Songs wie die Single Vampire Smile haben durchaus das Potenzial, sich auch hierzulande mit ihrem ungewohnten Mix aus Pop und Folk mit eine Note Düsterheit eine größere Fanbasis zu erspielen.

Aber dann endlich um kurz nach 20 Uhr, die Nachfolgerin solcher Größen wie Juliette Greco oder Edith Piaf. ZAZ ist der Shootingstar, den die Grande Nation in den letzten Jahren hervorzaubern konnte. Mit ihrem Charme und ihrer zauberhaften Art schafft sie es binnen Sekunden, dass ein ganzes Gelände sie ins Herz fasst.

Mit ihrer bezaubernden Art irgendwo zwischen Kindlichkeit und Femme Fatale gibt sich ZAZ wie man sie auf ihren Alben ZAZ und der hervorragenden Liveaufnahme Sans tso tsou Live Tour, auf denen man sie kennen und lieben gelernt hat. Sie ist gleich ungemein präsent und schüttelt die Hits nur so aus dem Ärmel.

Les passants kommt mit Inbrunst und einer hohen Intensität an Kreischen, Quieken und Schreien daher und auch das zu Herzen gehende Cover von Dans ma rue von Edith Piaf wird entzückend vorgebracht. Sie lässt sich von 2 jungen Damen übersetzen und erzählt von ihrer langen Tour und den Erlebnissen in den verschiedenen europäischen Städten.

Wenn sie dann ihren Hit Je veux in einer atemberaubenden Version und mit Hilfe des Publikums, man muss es so sagen, zelebriert und dem Publikum viel Gelegenheit gibt, den nicht gerade einfachen Refrain „je veux d’l’amour, d’la joie, de la bonne humeur“ lauthals mitzusingen, dann weiß man, dass Mademoiselle ZAZ wieder mal alles richtig gemacht hat.

Text: Dennis Kresse
Bilder: Pressefreigabe