Es führen zwei Wege zum Ziel. Man kann die Hände in den Schoß legen, auf sein Glück vertrauen und sich das Beste einfach herbei wünschen. Oder man kann aufstehen und für das, was man erreichen will, kämpfen. Sängerin Nili Hadida und Gitarrist Benjamin Cotto haben vier lange Jahre für ihren Traum gekämpft! So lange hat es gedauert bis endlich das erste Album „Invincible Friends“ in den Regalen der Plattenhändler steht. Doch steht auf der Plattenhülle nirgends Lilly Wood And The Prick? Genau! Denn das ist der Bandname, den die beiden gewählt haben. Nun sind sie zurück, um mit der CD „The Fight“ erneut die Herzen der Hörer im Sturm zu erobern.

Himmelhoch jauchzend zum Tode betrübt

Fast sechs Jahre ist es nun her, dass sich die kreativen Wege von Nili Hadida und Benjamin Cotto kreuzen. Spät abends. In einer Pariser Bar. Und wie viele junge Leute in den frühen Zwanzigern navigieren sie zwischen himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt. Zwischen dunkler Melancholie und sonnenhellem Optimismus. Für diese schwankenden Gefühle haben sie die Musik als Fluchtpunkt gewählt. So auch in jener Nacht. In jener Bar in Paris. „Während wir dort einfach so drauflos spielten, entwickelte sich ganz spontan eine erste Ballade“, blickt Nili Hadida zurück, „eine magische Mischung aus Folk, Blues Electro-Arrangements brodelte da plötzlich vor sich. Eine, von der wir keine Idee hatten, wohin sie uns noch führen würde.“ Mehr und mehr Stücke kommen zusammen. Bereits diese ersten Lieder atmen die Atmosphäre des späteren Klangkosmos von Lilly Wood And The Prick: ungetrübt strahlende, verspielt elegische Pop- und Elektro-Noten. Schnell kursieren die Melodien im Netz. Endlos weitergereicht von einer desillusionierten Generation, die sich selbst in den Stücken entdeckt und bestens getroffen fühlt. Die Generation, der auch Nili Hadida und Benjamin Cotto zugehörig sind. 2009 sorgt „Down The Drain“ mit seinem spleenigen Video für mächtig Furore im Netz. Ob es Zufall oder Cleverness ist, dass Lilly Wood And The Prick Santigold’s „L.E.S Artistes“ covern, ist im Nachhinein komplett egal. Der Hype schwappt aus der digitalen in die analoge Welt. Als dann das rebellisch-ungestüme Debüt „Invincible Friends“ endlich verfügbar ist, spricht ganz Paris nicht mehr von der Liebe, sondern von Lilly Wood And The Prick.

Ein modernes Pop-Märchen

Der weitere Verlauf der Geschichte von Lilly Wood And The Prick mutet an, wie ein modernes Pop-Märchen. „Ständig haben wir neue, bis dato unbekannte Höhen erklommen, die von uns vorher unerreichbar fern erschienen“, reflektiert Benjamin Cotto, „besonders 2011 nahm die Erfolgsgeschwindigkeit nochmals rapide zu: auf die Verleihung einer Goldenen Schallplatte folgt eine ausverkaufte Clubtour durch Frankreich und Einladungen zu allen großen Festivals des Landes.“ Anschließend räumen sie auch noch den französischen Echo, den Victoire de la Musique, als die Neuentdeckung des Jahres ab. Ein Märchen würde hier mit den Worten abbrechen, „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie vergnügt bis ans Ende ihrer Tage.“ Nicht so die Geschichte von Lilly Wood And The Prick. Die vom Erfolg getragene Euphorie spornt das Duo nur noch weiter an. Neue Stücke entstehen. „Doch deren Entstehungsgeschichte unterscheidet sich deutlich von der spontanen, unbeschwerten Herangehensweise von ‚Invincible Friends’“, nimmt Benjamin Cotto den Faden wieder auf, „da wir natürlich nicht hinter das kreativ Erreichte zurückfallen wollten, haben wir mit jedem und um jedes Stück gekämpft. Folgerichtig heißt unser neues Album ‚The Fight:’“ Dieser Kampf fördert eine perfekte Balance von Wort und Musik zutage. Die Wahrhaftigkeit der Geschichten wird nicht geopfert. Doch werden jedes Wort und jede einzelne Note weitaus bewusster gewählt und gezielter gesetzt. Schließlich sind die Künstler erwachsener geworden. Es geht jetzt um die Zeit des Übergangs vom Jugendalter hinüber ins Erwachsenensein, in eine verwirrende Hyperrealität.

Brachiales Aufknallen in der Realität

Noch immer werden die Rauschanfälle des Glücks und das brachiale Aufknallen in der Realität vertont. Doch währt das Glück kürzer. Das Aufknallen ist härter. Um diese
Geschichten zu erzählen -mit dem nötigen Tiefgang, präzise und musikalisch angemessenwagen sich Lilly Wood And The Prick weit aus der Do-It-Yourself-Ecke und lassen ihren Produzenten, Pierre Guimard and Pierrick Devin, mehr Raum. Beide ändern kleine Dinge, so muss etwa die Beatbox einem echten Schlagzeug Platz machen, das wuchtiger und erdiger klingt. Auch Großes wird geändert. Der Klangkosmos ist deutlich produzierter und akzentuierter. Genau das stärkt in ihren Stücken den Ausdruck der kämpferischen Attitüde. Und genau deshalb sind Lilly Wood And The Prick so nah bei sich selbst. Die grandiose Wirkung dieser Echtheit erklingt in atmosphärisch dichten Balladen, wie „Briquet“ oder „Into Trouble“ genau so, wie in elektrisch aufgeladenen Popstücken, wie „Long Way Back“ und „California.“ Das Duo genehmigt sich mit „Guys in Bands“ auch mal einen Ausflug in exotische Klanggefilde, bevor sie mit „Middle of the Night“ einen Discohit abliefern, der tanzwütig macht. Damit auch das Märchen nicht aus dem Blick gerät, wird das aktuelle Video, das fast schon einem Kurzfilm gleichkommt, mal eben in Los Angeles gedreht. War „Invincible Friends“ bereits der Soundtrack einer ganzen Generation, wird es „The Fight“ wieder sein. Und zwar der gleichen Generation, nur eben ein paar gereifte Jahre später. Einer Generation, die aber auch weiß, dass es nie zu spät ist, um für etwas zu kämpfen; denn es gibt in keinem Lebensabschnitt einen Grund, das träumen aufzuhören.

Lilly Wood & The Prick im Web

lillywoodandtheprick.com/
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Text und Bild: Pressefreigabe