Evilution soll man nach eigenen Angaben als eine Antithese zum Vorgängeralbum Utopia verstehen und es soll im Gegensatz zum Vorgänger eine negative Stimmung verbreiten. Allerdings muss man sich erstmal fragen, was am Vorgänger-Album eigentlich positiv gewesen sein soll. Das allerdings fällt nur auf, wenn man Evilution gehört hat: Tatsächlich gab es auf Utopia noch hoffnungsvolle Momente: Auch wenn die Menschheit sich selber zugrunde gerichtet hat, gab es dort noch Auswege, die einen hoffen lassen konnten, es gäbe noch eine Zukunft. Und wie es zu erahnen ist, ist es damit ist es auf Evilution vorbei.

Schon das Wortspiel lässt eine Perversion der Evolution erkennen: Die Menschen leben ihr verschwenderisches Leben weiter. Kontrolle, sei es nun staatliche oder soziale, nimmt zu, ein Abweichen ist nicht mehr möglich. Dazu kommen die meisten Sprachsamples verzerrt daher, was sie noch unpersönlicher wirken lässt, so als Spräche man mit Maschinen. We are all Junkies legt auf brachiale Weise alles in Schutt und Asche und hat gleichzeitig die Ästhetik einer Elegie auf eine kaputte Welt. Ähnlich Dystopia, das ritueller wirkt, aber nicht positiver, was durch den Abschluss Darkest Utopia noch getoppt wird und den Eindruck hinterlässt, man würde in einem einzigen Systemfehler leben, der einem mit röchelnden Gesang (oder etwas in der Art) das Sterben der Menschheit auf brutale Weise vor Augen führt. Wirklich perfide ist dagegen ein Lied wie Le petit consumateur, das Kaufhausatmosphäre verbreitet und einen nicht erahnen lässt, dass man gerade an der eigenen Vernichtung arbeitet. Das wird erst langsam klar, wenn das Lied nahtlos zu düstereren Klängen überleitet und einen dann alleine stehen lässt. Die Wurzel scheint man in der protestantischen Arbeitsmoral zu sehen (Stichwort Max Weber und die protestantische Ethik), im amerikanischen WASP-culture, zu dem es auch ein gleichnamiges Lied gibt, das nach mechanischen Arbeitsprozessen klingt. Der Kapitalismus vernichtet die Menschheit. Keine so spannende oder neue These, aber spannend in Musik gegossen.

Nach Darkest Utopia kommen noch fünf unbetitelte Stücke, die aber auch nicht positiver gestaltet sind. Wem das Debüt nicht negativ genug war, der wird mit Evilution ein wunderbar endzeitliches Album erleben, das seinesgleichen sucht.

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Text: Tristan Osterfeld