Transfixiation ist das vierte Album der New Yorker Wave-Noiserock-Shoegaze-Extremisten. Zwischen 80er-Wave-Bassläufen, die einen an The Cure erinnern und Gitarrenlärmeskapaden, die die konsequente Weiterentwicklung der Attacken von The Jesus & Mary Chain darstellen kreieren A Place To Bury Strangers verstörend schöne Songs, deren Brillianz man sich erst hart erarbeiten muss. Für den durchschnittlichen Musikhörer mag Transfixiation die willkommene CD sein, um lästigen Gästen unmissverständlich zu verstehen zu geben, dass man jetzt gerne allein sein will. Für Liebhaber von Noise-Attacken und Songs, deren Fragilität erst hinter einer harten Schale aus Lärm und unwirtlich klingenden Melodien freigelegt werden muss, ist das neue Album der Mannen um Oliver Ackermann ein Kleinod.

Das Ganze entwickelt sich vorsichtig. Supermaster wiegt den Hörer mit einem typischen Wave-Bass und zurückgenommenem Sprechgesang in Sicherheit. Die Gitarren setzen akzentuiert ein und sind noch in Ketten gelegt. Der Noiseregler ist noch in den Anfangsbereichen der Skala. Von Song zu Song wird dieser erhöht. Bis zu Unkenntlichkeit verfremdete Gitarren fräsen sich wie Kettensägenattacken durch die Songs. Die Basslinien geben den Songs das Gerüst. Der Gesang bewegt sich zurückgenommen innerhalb eines abgesteckten Notenrahmens und klingt bewusst unterkühlt. Straight ist schneller und härter. Love high attackiert die Ohren mit dosigem Bass und Gitarren, denen jegliche Bass- und Mittenfrequenzen genommen sind. What we don’t see steigert den Noise-Faktor deutlich. Gitarren werden bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und verzerrt. Erkaltet frisst sich der Lärm durch das Lied. Bass und Gesang versöhnen den Hörer mit klassischen 80er-Jahre-Wave-Anleihen. Der fünfte Track Deeper ist die möglicherweise konsequenteste Umsetzung von zerstörerischem Lärm, die bislang auf einer CD in Musikform gebannt wurde. Zäh und langsam quälen sich die Töne aus den Boxen. Schlagzeug und Bass räumen einer einzigartigen Lärmorgie den Platz und begleiten zurückhaltend im Hintergrund. Die konsequente Symbiose aus The Jesus & Mary Chain meets The Downward Spiral der Nine Inch Nails. Sechs lange Minuten ist man fasziniert und verstört zugleich. Und als ob A Place To Bury Strangers wissen, was sie den Hörern zugemutet haben, folgen in der Interlude Lower Zone tatsächlich Ansätze einer lieblichen Melodie natürlich nicht ohne einen feedback-getränkten Gegenpart. We’ve come so far ist ein psychedelischer Sprint, bei dem Ackermann von einem weiblichen Gesangspart im Refrain Unterstützung erhält. Now it’s over ist schon fast als entspannt zu beschreiben. Ein repetitiver metallischer Beat bahnt sich seinen Weg. Sphärische Klangteppiche entfalten sich. Im Vergleich zu den vorangegangenen Tracks erscheinen die Klänge schon fast verträumt. Und kaum sind die letzten Klänge verstummt, wird die nächste Lärmattacke gefahren. Wüste und stampfende Beats, Kreischendes Metall, das aufgerissen wird, allenfalls zu erahnende Gitarren hinter Megatonnen von Verzerrung.

Mit den letzten beiden Tracks Fill the void und I will die beenden A Place To Bury Strangers ihr viertes Werk. Ein Album, das viel verlangt, verstört, schlussendlich aber in seiner Konsequenz überzeugt und fasziniert. Die Weiterentwicklung dessen, was Noise und Shoegaze in den 80ern begonnen haben. Ohne Rücksichtnahme oder falsche Zurückhaltung. Beeindruckend!

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Text: Thorsten Lühl