Alec Empire ist wieder da. Und irgendwie ist es jedes Mal wieder überraschend, wenn man diese Meldung verkünden kann – nicht etwa durch das bloße Auftauchen, sondern durch das Wie dieses Wiedererscheinens. 2002 verschrieb er sich auf Intelligence & Sacrifice noch industrial-lastigen Klangcollagen, 2005 erfand er mit Futurist einfach mal den Punk neu, auf The Golden Foretaste Of Heaven sind die Gitarren auf einmal verschwunden, aber man hört sie trotzdem. Und es rockt. Damit verbunden sind außerdem: Die Rückkehr nach Berlin und die neue Band The Hellish Vortex. Wie man sieht: Es ist viel passiert.

Als Konstante im gesamten Geschehen ist auch auf diesem Album wieder Nic Endo dabei und komplettiert so The Hellish Vortex. Klanglich ist das alles schwer einzuordnen – so ist es bei Alec Empire oft gewesen und so ist es auch diesmal. Das ist genau so typisch Alec Empire wie auch der Klang. Das sagt zwar an sich noch nichts über den Klang aus, aber er wahrt die dem Künstler eigene Authentizität, die hier eben nur in einer ungewohnten neuen Ausprägung anzutreffen ist. Die Musik wird von auf elektronischen Drums eingespielten Beats nach vorne getrieben, unterstützt von Synthriffs, die gerne durch den Verzerrer gingen und so nun eine ähnliche Wirkung verbreiten, wie es auch verzerrte Gitarren tun.

Verzerrte Gitarren. An dieser Stelle ergibt sich ein Schnittpunkt zur vorangegangenen Phase des Schaffens von Alec Empire, ohne dass die Gitarren überhaupt auf dem neuen Werk explizit anzutreffen sind: Aus den Sessions zur Futurist erschien als B-Seite zur Single Gotta Get Out ein Titel namens On Fire. Was damals als B-Seite ein gelungenes, aber sich nicht hochgradig einprägendes Stück darstellte, wurde in den The Hellish Vortex-Sessions umgebaut und erklingt auf The Golden Foretaste Of Heaven nun als ein wirklich druckvolles Stück elektronischer Rockmusik. Eine erste Single, die gerade raus nach vorne geht und den Hörer mitreißt. Und man sieht und hört: Eindeutig Alec Empire.

Was sowohl bei On Fire als auch auf dem Rest des Albums auffällt: Es ist stets der altbekannte, sehr noisige Unterton dabei. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal Alec Empires, das selbst in den melodischsten Momenten anzutreffen. Diese gibt es auf dem Album tatsächlich: 1000 Eyes nimmt als siebenminütige Ballade zum Beispiel eine Ausnahmestellung ein. Dennoch: Es ist nun keineswegs so, dass Alec Empire mit seinen 35 Jahren schon altersmilde geworden wäre oder so etwas. Nein, auch die typischen Elektrobretter begegnen einem. I.C.E. (As If She Could Steal A Piece Of My Glamour) ist so ein Stück, was sämtliche Zweifel darüber ausräumen müsste.

Am Ende bemerkt man: Eigentlich ist es doch ein recht typisches Album geworden. Eine treffende Beschreibung wäre: Alles beim Alten, nur ganz anders. Denn so ist der Status quo bei Alec Empire. Eine Umorientierung, die ihm nicht geschadet hat und ihn definitiv weiterhin interessant machen. Man darf gespannt sein, wie die Umsetzung auf Tour folgen wird. Schließlich gibt es ein weiteres Mal eine neue Band zu präsentieren. All dem bisherigen folgend, bleibt nur eines: Eine Empfehlung – sowohl für die CD, als auch für die folgende Tour!

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Rezension zum Album Futurist

Homepage: www.alec-empire.com
MySpace: www.myspace.com/alecempire

Text: Marius Meyer