Alectros Debüt School of Desire ist ganz klar ein Album aus der Kategorie »Was ich schon immer mal machen wollte«. Dazu hat sich Sänger, Songschreiber und Gitarrist Steve Kirkman mit Produzent, Bassist und Studiomusiker Jeff Eyrich zusammen getan. Der eine kommt aus der Ecke des Country, Blues, Gospel und Rock’n Roll, der andere aus der des 80er-Jahre-Sounds, des Soul, Groove und Funk – und wenn man beides mischt, kommt dabei als denkbar unwahrscheinlichstes, aber zugleich eben auch ungemein gewitztes Ergebnis eine Americana-Platte im Retro-Western-Klang heraus.

Musikalische Referenzen gibt es dabei in Hülle und Fülle. Sie reichen von Johnny Cash (natürlich) über Calexico, die Everly Brothers und J. J. Cale bis bin zu Tito & Tarantula, um nur einige zu nennen. Herrlich altmodisch und augenzwinkernd probieren Kirkman und Eyrich alles aus, was ihnen Spaß macht. Das kann ein Cover wie Tobacco Road oder Hard Travelin‘ ebenso sein wie ein Instrumental (Sunset At County Line, Sunrise At Faria), ein fast sechsminütiger, düsterer Longtrack (Shining Star) oder die klassischen musikalischen Lagerfeuererzählungen vom Teufel Alkohol (Whiskey Water).

Mit seinen Bläsersätzen, dem Sustain im Gesang, den abgehobenen Chören und den üppig eingesetzten Gitarren aller Art könnte School of Desire eins zu eins als Soundtrack für eine Western-Hommage übernommen werden. Alectro bedienen sich munter aus Eyrichs Fundus an alten Verstärkern und Mikrofonen, Effektpedalen und analogen Rhythmusmaschinen, nur um an anderer Stelle mit modernem, jazzig-funkigem Slap Bass und Beatbox um die Ecke zu kommen.

So spaßig und ausgelassen School of Desire in seiner ganzen Zitier- und Probier-Lust aus und an Blues, Swamp’n Twang und Electric dabei auch ist, so sauber ausgetüftelt und arrangiert sind die elf Songs auf dem Album zugleich. Das ist auch gut so, denn andernfalls könnten sie leicht von »bisweilen leicht selbstironisch« in »kitschig« abgleiten.

So aber bleibt alles in der Balance.

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Text: Mario Nowak