Die gebürtige Kopenhagenerin Alice Rose bereichert seit Jahren die Kölsche Musikszene. Obwohl seit über zehn Jahren in Deutschland beheimatet ist der kosmopolitischen und experimentierfreudigen Dame der Durchbruch bisher versagt geblieben. Dies erscheint merkwürdig nicht nur, da Alice Rose über ein – im Pop-Business nicht nachteilig – fotogenes Äußeres und über vielfältige musikalische Talente verfügt. Es verwundert vor allem angesichts der neuen Platte Each is a Dream, die als leicht schräger Elektro-Pop sehr zu überzeugen weiß. Der Blondschopf geht nun auf kleine Clubtour. Eine gute Gelegenheit, einem Geheimtipp nachzuspüren.

Alice Rose hat sich dem Dream Pop verschrieben. Aus den Einflusssphären des Post Punk, New Wave und skandinavischem Indie-Pop speist sich ihre Musik. Im Juni ist ihr drittes Album Each is a Dream in Deutschland erschienen. Während die lokale Presse dem Album wohlwollende Aufmerksamkeit angedeihen ließ, blieb die Fachpresse weitgehend stumm. Dies ist schwer nachzuvollziehen. Die Multiinstrumentalistin Rose setzt eine denkbar breite Instrumentierung gekonnt und akzentuiert in Szene: Streicher und Klavier gehören dem Fundus klassischer Pop-Balladen-Kunst an, Kindergitarren, Streichholzschachteln, Pauken oder Ukulelen zeugen hingegen von der Innovationsfreude der weitgereisten Künstlerin. Die vielfältigen Klänge webt Alice Rose gekonnt in ihre Titel ein, die durch ein anspruchsvolles Songwriting gefallen: Breaks und raffiniert instrumentierte Exkurse, die sich plötzlich an Hauptthemen anschließen oder sich zu diesen entwickeln, wechseln sich ab mit harmonisch-fließenden Melodieläufen, die große Pop-Kunst darstellen.

Neben dem intelligenten Songwriting überzeugt Alice Rose gesanglich. Die Kompositionen und musikalischen Arrangements erfordern genau die emotionale und stimmliche Wandlungsfähigkeit, die Rose an den Tag legt. Ob sie glockenhell und glasklar schmachtet wie im Opener Last Happy End, leicht heiser und fließend deklamiert wie im Titelsong oder verdüstert und stockend durch Björkeske Songlabyrinthe mäandert – Rose variiert ebenso gekonnt Tempo und Emotion in ihrem Gesang. In Verbindung mit der sauberen Produktion, die die zahlreichen Instrumental- und Synthesizerspuren gekonnt verdichtet, entsteht ein differenzierter und perlend-fließender Sound, der allen Nuancen dieses abwechslungsreichen Indie-Pops gerecht wird.

Each is a Dream ist vergnügliches, interessantes und intelligentes Pop-Album geworden. Mal sehnsuchtsvoll-getragen, mal rhthmisch-beschwingt, mal lasziv-rätselhaft: Es scheint, dass Alice Rose auf ihrem dritten Album endgültig zu sich gefunden hat. Die dänische Musik-Exzentrikerin lotet in Sachen Komposition und Songwiriting alle Facetten aus und bleibt doch stets verbindlich und eingängig mit ihren Songs. Womöglich liegt hier auch der Grund, warum es für Rose bisher mit der großen Anerkennung noch nicht geklappt hat: Die zwei Vorgängeralben Tales of sailing von 2006 und Mora with the Golden Gun von 2009 fielen in Sachen Experimentierfreude und Kunstwollen doch noch wesentlich fordernder aus. Nun herrscht klangliche, textliche und musikalische Klarheit, Schönheit und ein unterhaltsamer Thrill vor.

Each is a Dream ist ein intelligentes Pop-Album, aber nicht kopflastig oder unzugänglich. Mit diesem Longplayer erinnert Alice Rose mal an Emilia Torrini, mal an Goldfrapp oder Portishead und an Björk. Doch vor allem scheint Alice Rose ihren persönlichen Stil zwischen Trip-Hop, Elektro-Folk und Pop definiert zu haben. Die Gelegenheit scheint somit günstig, eine Künstlerin entdecken zu können, die gleichzeitig auf der Höhe der Zeit und doch unerkannt ist.

Die Termine der Each is a Dream – Live 2014 sind:

03.12.2014 Berlin, Ä
04.12.2014 Kiel, Prinz Willy

Homepage: www.alicerosemusic.com
Facebook: www.facebook.com/AliceRoseMusic

Text: Mirco Drewes