Mit The Obscurants liegt nun die zweite CD von Alternative 4, der Band des Ex-Anathema Duncan Patterson vor. Die Platte erscheint passend zum Herbstanfang und bildet den perfekten Soundtrack zu Kälte, Regen und Sturm. The Obscurants ist ein im Wesentlichen mit Klavier und Gitarre akustisch instrumentiertes Album, das aber auch auf Synthesizer, E-Gitarre und Streicher-Arrangements zugreift, wenn es dem Song dient. Die Arrangements sind vielschichtig und fügen sich perfekt in die Songstruktur ein ohne sich aufzudrängen. Bereits der Opener Theme for the obscurantist verdeutlicht die Idee des Albums. Das Klavier spielt eine Tonsequenz. Die Töne klingen über Sekunden vollständig aus. Bis die Sequenz erneut beginnt. Die Lieder bekommen die Zeit und den Raum, den Sie brauchen.

Der zweite Track beginnt getragen, der warme Gesang wird lediglich durch ein Gitarrenpicking und Bass begleitet. Sparsam gesetzte Gitarren wabern dazwischen. Die Stimmung ist melancholisch und verzweifelt. Zeitweilen wird der Gesang durch eine weibliche Stimme wunderbar unterstützt. Schließlich entlädt sich der Track mit einem sich stetig wiederholenden Gitarren-Riff und Schlagzeug. Aber auch hier kommt keine Hektik auf. Die Stimmung wird wütender, aber das Tempo bleibt.

Nach einer wavigen und krachigeren Anleihe, in der aber auch das Klavier – als zentrales Instrument aufgegriffen wird, kommen mit Dina und Lifeline die schönsten Stücke des Albums; zwei großartige Balladen. Selten wurde Melancholie besser musikalisch umgesetzt. Dina zeichnet sich durch ein wunderbares Streicherarrangement aus; der zweistimmige Gesang wird dezent eingesetzt. Die Stimmung wird durch perfekt gesetzte Bläser gesteigert, die den Refrain vollenden. Akzente durch wabernde Gitarren. Kein Instrument ist übertrieben, keine Melodie zu verspielt oder gar kitschig. Ein wirklich großartiger Song. Lifeline setzt da fort, wo Dina endet. Eine getragene Klaviermelodie, begleitet von Akustikgitarre. Der Refrain ist zweistimmig mit einer verträumt gehauchten Frauenstimme.

The Tragedy shield ist einfach ein toller Song, bei dem die melancholisch-verträumte Stimmung durch bedrohlich klingende Schlagzeugeinsätze unterbrochen wird und durch eine mäandernde Gitarre die Stimmung ins Düstere kippt.

Das Album endet mit Closure, das elektronisch beginnt und in der zweiten Hälfte wieder zu der akustischen Ausrichtung des Albums zurückkehrt.

The Obscurants ist eine CD, bei der die melancholisch-düstere Stimmung perfekt durch die Instrumentierung und ein einfühlsames Arrangement umgesetzt wird. Das perfekte Album für alle diejenigen, die nach einem Soundtrack für Strandspaziergänge durch Sturm und Regen suchen.

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Text: Thorsten Lühl