Mit ambitionierten Konzepten hat Apoptose ja noch keine Berührungsängste gehabt. Seit der Gründung hat man die Bereiche des Dark Ambient ausgelotet und sich mit jedem Album musikalisch je nach Thematik neu definiert. So ging es bereits in nördliche Breitengrade, nach Andalusien zur Santa semana und seinen Ritualen, in Großstädte und zuletzt in verwunschene Wälder. Mit Ana Liil bewegt man sich nun noch weiter in mystisch-gruselige Gefilde, weiter als man es auf Bannwald getan hat. Will man dem Album ein Konzept zuordnen, dann kommen einem am ehesten kleine Mädchen in den Sinn, die man in diversen Horrorfilmen sieht, die zwar lieb und unschuldig wirken, aber letztendlich für den Untergang der Protagonisten verantwortlich sind.

Dabei kommt musikalisch nur selten richtige Horror-Atmosphäre auf, stattdessen setzt man auf Wave-lastige Klangflächen, dezente Perkussion und hohe weibliche Stimmen, die zusammen ein surreales Gesamtbild ergeben, das einerseits sehr entspannt wirkt, andererseits hat man aber das Gefühl, in den so harmonischen Liedern immer etwas zu entdecken, was nicht stimmt – und je mehr man sich darauf konzentriert, umso deutlicher erkennt man, dass sich etwas Gespenstisches in der Musik verbirgt, doch je näher man kommt, umso mehr verschwimmt es auch.

Das Album spielt zudem ständig mit Erwartungen: Wenn im Titelsong erst ein Klavier und dann Gitarren-Drones erscheinen, beeindruckt dies genauso wie die Schreie in Adrenalin, die an eine Meute mit Heugabeln und Fackeln denken lassen, die gerade einer Hexenverbrennung beiwohnen. Jedoch sind diese so subtil eingesetzt, dass man sie erst entdecken muss.

Was das Album letztendlich noch mit mystischen Horrorfilmen verbindet ist, dass man meistens herausfinden muss, was das Grauen eigentlich heraufbeschworen hat. In dem Album finden sich immer wieder Fragmente, die mit Fragmenten aus anderen Stellen des Albums zusammenpassen könnten. Ob Absicht oder nicht muss unklar bleiben und macht Ana Liil zu einem Album, das die Phantasie anregt, mehrdeutige Interpretationen zulässt, Bilder im Kopf erzeugt, für die man kaum Worte findet und einfach tief in seinen Bann zieht.

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Text: Tristan Osterfeld