Dass Dave Heumanns Band Arbouretum in Deutschland immer noch ein Schattendasein als Geheimtipp führt, liegt mit Sicherheit nicht an der langweiligen Vergangenheit des Sängers und Gitarristen. Immerhin arbeitete er bereits mit dem großartigen Bonnie ‚Prince’ Billy zusammen und spielt bei Television Hill herausragenden Americana. Und auch am Schaffen seiner Gegenwart liegt es nicht – denn dieser Tage erscheint mit Coming Out Of The Fog das aktuelle Album seiner Hauptband, das sich durch vieles, nur nicht durch fehlende Qualität auszeichnet. Immerhin spielen die Jungs Doom-Folk, jagen Lagerfeuerkompositionen durch Verstärkerwände und kreieren dadurch eine in der Lautstärke verwurzelte Mystik.

Bereits The Long Night, dessen Melodie man schon nach dem zweiten Hören mitsingt, egal, ob freiwillig oder unfreiwillig, rockt dermaßen kompromisslos nach vorne, dass man fast erschrickt. Die trockene, altmodische Produktion sowie das erstklassige, behutsame Mastering sorgen weiterhin dafür, dass der Sound auch dann transparent bleibt, wenn man den Lautstärkeregler ein wenig nach oben reguliert. Heumanns Gesang geht nicht mehr im wuchtigen Spiel der Rhythmusgruppe von Drummer Brian Carey und Bassist Corey Allender unter, sondern hält die Songs vielmehr zusammen. Auch All At Once, The Turning Weather schlägt in dieselbe Kerbe wie der Opener, und gibt sich noch eine Ecke eingängiger. Sowieso scheinen die beiden Produzenten Walker Teret und Steve Wright die Band gemäßigt zu haben – kein Stück dauert länger als sieben Minuten.

Weiterhin herausragend sind, neben dem irren Instrumental Easter Island, sich kratzbürstig gebend und nach freakigem Krautrock klingend, Oceans Don’t Sing und der tolle Titeltrack. Beiden Stücken verleiht David Hadley mit seinem Pedal Steel-Spiel eine fast klassisch Country-artige Note, sodass ersterer Song sogar ein wenig an Neil Young erinnert. Sowieso schaut Young mit seiner verrückten Pferdeband immer mal wieder um die Ecke – so sind die simplen, aber wirkungsvoll mäandernden Gitarrensoli bestimmt mehr als nur beim Spiel des Kanadiers abgeschaut.

Somit ist Coming Out Of The Fog ein rundes Album geworden, dem man gerne lauscht – den zum Teil etwas eintönigen Sound macht die durchweg konstante Qualität der Kompositionen wieder wett und die hervorragenden Balladen sollten sowieso jeden, der nicht absolut gefühlskalt ist, mit einer Gänsehaut versehen. Auch live kann man die vier Amerikaner bald in Deutschland bewundern – eine seltene Gelegenheit, die man nutzen sollte, so selten, wie Arbouretum in unseren Gefilden unterwegs sind, denn gerade live zünden die Kompositionen durch turmhohen und meilenweit zu hörenden Klang.

01.03.2013 Schorndorf, Manufaktur
02.03.2013 Leipzig, UT Connewitz
04.03.2013 Freiburg, The Swamp
05.03.2013 Genf, Schweiz, Usine
11.03.2013 Berlin, Jägerklause
12.03.2013 Hamburg, tba
13.03.2013 Köln, Privatkonzert

Homepage: arbouretumband.tumblr.com
Facebook: www.facebook.com/ArbouretumBand
Twitter: www.twitter.com/Arbouretumband

Text: Fabian Broicher