Der Argentinier Gustavo Santaolalla weiß, wie er mit Erwartungen seiner Zuhörer zu spielen hat. Der mit unzähligen Preisen – Oscars, ein Golden Globe, ein Dutzend Latin Grammys – ausgezeichnete Produzent und Gründer sowie Mastermind hinter dem achtköpfigen Projekt Bajofondo weigert sich nun bereits seit zehn Jahren Genrekonventionen zu bedienen und setzt die Verschmelzung von elektronischer Musik mit Tango rigoros bis heute fort. Presente, neuestes Album der Kapelle, beweist einmal mehr, dass der große Erfolg der Kapelle zwar überraschend, aber keineswegs unverdient ist.

So ruhig wie Presente mit dem streicherdominierten Intro eröffnet, umso eindeutiger schlagen die Beats auf den restlichen Tracks in Richtung Dancefloor aus. Überflüssig zu erwähnen, dass Bajofondo zukünftig bestimmt keine Goa-Partys beschallen, dafür klingt ihr Stilmix immer noch zu seltsam. Doch die Tracks, die so klingen, als wäre Serge Gainsbourg von Giorgio Moroder produziert und anschließend vom Gotan Project geremixt, besitzen eine unwiderstehliche Eingängigkeit, die sofort mitreißt. Vielleicht eine Folge der vielen Konzerte, die die Kapelle in der jüngsten Vergangenheit gab. Die gefundene Power, die sich vor allem im differenzierten und freudigen Spiel von Drummer Adrián Sosa äußert, wird hervorragend durch die Studiospielereien von Santoalla und seinem künstlerischen Partner Juan Campodónico unterstützt.

Sowieso verleihen die elektronischen Texturen, die erst nach mehrmaligem Hören ihre volle Pracht entfalten, so einfach sie am Anfang auch wirken mögen, vielen Tracks ihre besondere Note. Highlight stellt beispielsweise das clever aufgebaute Código De Barra dar, das ruhig beginnt und furios endet. Der Refrain von Olvidate verwandelt das heimische Wohnzimmer, oder wo immer man den Tonträger gerade hört, in ein Fußballstadion. Und auch die Single Pide Piso ist gut gewählt, vereint der Track doch das entscheidende charakteristische Merkmal der Band – die Vereinigung von Geige und Bandoneon mit behutsam hinzu gemixtem Beat.

Kurze, äußerst geschmackvolle Zwischenspiele, wie das wunderbare Oigo Voces, als von den Beach Boys inspiriertes A-capella-Stück bei dem Santaolalla sämtliche Stimmen einsang, sorgen dafür, dass Presente nicht nur wie die ambitionierteste, sondern auch wie die ausgewogenste Platte von Bajofondo klingt.

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Text: Fabian Broicher