Einfach, deftig und very British: Das ist Beans on Toast. Aber nicht nur der Künstlername, auch der Titel des fünften Studioalbums ist Programm. Der Folksänger von der Insel gibt wirklich alles. Seine neuesten elf Songs kommen allesamt als kurze, vermeintlich eingängige Häppchen von zwei bis drei Minuten Länge daher – aber wenn man nicht gehörig aufpasst, hat man sich ganz schnell daran verschluckt. Gleich im ersten Track Harry in a Helicopter etwa feuert Beans on Toast nämlich schon aus allen Rohren und ätzt ungeniert gegen den Soldaten Prinz Harry, das britische Königshaus und die es hofierenden Medien. In bester Songwriter-Tradition haut er mit schnodderiger Stimme und dem wohl unvermeidlichen rotzigen Dialekt raus: »Here is a message that I haven’t put up in a song – war is bad and killing is wrong.«

Damit ist der Ton für das Album angegeben. Offenbar über weite Strecken live im Studio eingespielt, verleitet die Musik ganz unschuldig zum Mitwippen, derweil Beans on Toast mit bisweilen bitterbösen Sarkasmus dazu singt. Grundsätzlich kritisiert er dabei wenig subtil alles und jeden, im Zweifelsfall auch jene, die mit Minimalaufwand von Internet bis Fracking alles kritisieren, auch wenn sie mit einem Thema nicht vertraut sind.

Sein Lieblingsthema ist indes die zunehmende Kommerzialisierung des Musikgeschäfts. Fast die Hälfte der Songs auf dem Album dreht sich auf die eine oder andere Weise um zu hohe Konzertpreise, ausbleibende Einladungen zu Festivals (Can’t get a Gig at Glastonbury) oder das Diktat der Kritiker (Who is Bigg Jeff?). Da verwundert es auch nicht, dass Beans on Toast im letzten Lied Keep You zu dem Schluss kommt, dass er zu seinem Glück weder einen gewieften Manager, noch Youtube oder Facebook braucht, sondern einzig und allein seine Fans.

Exemplarisch für das gesamte Album ist vielleicht der Song Sold Out Shows: Mit einem trällernden weiblichen Chor und Drum-Computern mittendrin demonstrativ auf Castingshow-Mainstream gemacht, verdeutlicht Beans on Toast hier die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins – trocken, lapidar und so betont nebenbei, dass man es leicht verpassen kann, wenn man nicht aufpasst.

So empfiehlt sich für Giving Everything grundsätzlich so etwas wie »permanent erhöhte Wachsamkeit«. Jedes Stück kommt etwas anders daher, mal Folk, mal Blues, mal Old-Time Music, mal mit Gitarre und Geige, mal mit Schwerpunkt Bass und Trompete. Handwerklich top gemacht, bietet das Album eine listige Mischung aus solider, eingängiger Musik und staubtrockenen Texten.

Homepage: www.beansontoastmusic.com
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Text: Mario Nowak