Wenn Chris Senseney die Geschichte von Big Harp erzählt, wirkt das alles irgendwie ganz simpel. Stef und er trafen sich zunächst, als er mit Art in Manila für ihre Band The Good Life eröffnete. Es folgten Kneipentouren, bis Stef ein Kind bekam. Umzug, noch ein Kind, Job, dann doch lieber wieder Tourleben. Irgendwie erwachsen geworden, aber am Ende irgendwie doch nicht. Chris: „Wir wollten wie Erwachsene klingen und Musik machen, die uns an unsere Kindheit erinnerte: alter Country für mich, Siebziger Jahre Folk für Stef. Wenn wir die Kinder einpackten und auf Tour gingen, wurden die Songs jedoch immer schneller und rotziger, sodass wir das auch aufnehmen wollten.“ Das ist die Story. Nun also der Zweitling Chain Letters. Und wie klingt der? Richtig: Schnell und rotzig.

Big Harp zelebrieren auf dem Album so etwas wie die dunkle Seite des Folk, mal harmonischer, mal rotziger. Waiting For Some Drunk gehört da zum Beispiel – trotz seines Titels – zu den harmonischeren Stücken. Raue Gitarrenklänge, dazu harmonische Tasteninstrumente und ein Wechselgesang aus der leicht Whiskey-geschwängert wirkenden Stimme Chris‘ und der eingängigen Stimme Stefs. Rotziger sind dann Nummern wie Micajah With His Hands Up, bei dem das Tempo angezogen ist, die Gitarren schön schrammeln und man eben genau das hört, was Chris zu seinen Vorstellungen des zweiten Albums gesagt hat. Verschrobener Folk-Rock, der Spaß macht.

Auf den zehn Stücken des Albums zelebriert das Paar Stücke, die im Endeffekt dann eben doch nicht so klingt wie die beiden, die sich auf einem Konzert kennengelernt haben, um anschließend das Feiern einzustellen und sich voll und ganz dem Familienleben zu widmen. Man muss ja auch nicht gleich komplett erwachsen werden – ein bisschen reicht ja. Den Hörern machen sie auf jeden Fall eine große Freude, wenn sie auch weiterhin die Kinder mal einpacken und mit auf Tour oder ins Studio nehmen. Davon zeugt Chain Letters eindeutig.

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Text: Marius Meyer