Er war mal das schlechte Gewissen Englands und legte gemeinsam mit anderen Vertretern der Anti Thatcher-Bewegung in den frühen 80ern einen „Pain in the ass“ in die Politik der eisernen Lady. Aber die Helden sind müde geworden, Chumbawamba haben sich aufgelöst, nachdem aus der Agit-Prop-Punk-Band eine eher lauwarme Folk-Formation geworden ist und auch Uncle Bill from Barking/Essex kann seit mehreren Jahren keinen Erfolg mehr verzeichnen. Vorbei die Zeiten, als er mit A New England, was in der wunderbaren Coverversion von Kirsty McColl einen achtbaren 7. Platz in England im Jahr belegen konnte, glänzte, indem er mit einer wunderbaren Ironie ein zu Lachtränen anrührendes Liebeslied schrieb, was sich auch als Highlight eines jeden Konzertes von Billy Bragg etablieren konnte.

Ob man auch Stücke von Tooth & Nail in 20 Jahren noch hören wird, darf leicht bezweifelt werden und das liegt am sehr zurückhaltenden Klang der zwölf Songs. Aber seine Verneigung vor den Großen der Country & Western-Welt gerät trotz Unterstützung einiger wohlklingender Namen wie dem des Pedal Steel Spieler Greg Leisz sehr schnell in Belanglosigkeit. Da ändert auch die gutgemachte Aufnahme von I Ain’t Got No Home von Woody Guthrie nichts.

Natürlich sind hier nicht alle Songs langweilig. Zum Beispiel haben Nummern wie There Will Be A Reckoning oder Chasing Rainbows auch ihre starken Momente, aber unterm Strich ist man von Billy Bragg anderes gewohnt.

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Text: Dennis Kresse