Kaum zu glauben, wie simpel es doch sein kann, einen verwunschenen Wald akustisch vor dem inneren Auge des Hörers entstehen zu lassen: Dieser scheint von Nebel verhangen zu sein und nur aus surreal anmutenden Bäumen zu bestehen, wie es auch schon das Plattencover impliziert und sobald man ihn betreten hat, wird man nicht mehr hinaus finden, was einem aber aufgrund der perfekten Ästhetik gar nicht mehr auffallen wird, denn so verwunschen der Wald auch sein mag, so faszinierend ist es in diesem umherzustreifen und diesen einfach nur auf sich wirken zu lassen – und letzten Endes diesen auch nicht mehr verlassen zu wollen, was nur sobald das Album zu Ende ist einen umso schmerzhafter in die Realität zurückbringt.

Im Grunde funktionieren die Lieder immer ähnlich: Es werden Klangteppich übereinander gelegt, zu denen mal ein Klavier oder etwas erklingt, was wie verfremdete Streicher klingt, während Frau Merz, Macherin des Projektes, immer wieder über all dem zu schweben scheint, wenn sie entweder flüstert oder fragil zu singen beginnt. Dabei wird auf dem kompletten Album repetitiv vorgegangen: Keine Höhepunkte und kein Spannungsbogen, statt dessen wird man komplett eingelullt und lässt sich einfach nur treiben.

Ein Album, das zur Realitätsflucht einlädt und ohne ein bisschen Kitsch auskommt und dennoch mystisch, romantisch und phantastisch wirkt. Ein Album, das sich zu hören lohnt.

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Text: Tristan Osterfeld