Es ist schon verwirrend, wenn man versucht, bei Bleiburg durchzublicken. Immer wieder begegnen Bezüge zu Kroatien und kroatische Texte, zwischendrin aber auch deutsche Texte, was sich allerdings durch Stefan Rukavinas kroatische Abstammung leicht erklären lässt. Erneut verwirrend allerdings ist dann die Veröffentlichungspolitik Bleiburgs: So kamen in den vergangenen Monaten unzählige Tonträger verteilt auf verschiedenste Labels heraus. So wie diese hier: 14 Stücke in einer Auflage von 1000 Exemplaren, veröffentlicht bei The Eastern Front in Israel. Es handelt sich um eine Zusammenstellung von Stücken der verschiedensten Schaffensphasen, die den Neofolk eher in den Hintergrund und die verstörende Seite von Bleiburg in den Vordergrund stellt.

Düsterer Ambient, experimentelle Elektronik und ein Hauch von Industrial sind die Hauptstützen dieser Zusammenstellung. Ein roter Faden ist schwer auszumachen, am ehesten ist wohl das Skurrile der rote Faden. Der Meldereiter beispielsweise ist ein nach vorne treibendes Stück recht kühler Elektronik von fast sieben Minuten Länge, immer wieder mit Samples unterlegt. Neben der Erzählung vom Meldereiter tauchen auch andere Geräusche raus, wie beispielsweise auch mal ein der Atmosphäre beitragendes Pferdewiehern. Samples tauchen sowieso hier ziemlich häufig auf, egal welcher Stil gerade dominiert. Richtfunk gen Osten ist dabei ein exemplarisches Stück für düsteren Ambient – auf düsteren Klangsphären aufgebaut wird programmatisch das gesampled, was sich bereits im Titelnahmen findet.

Mut zum Experiment ist in Titeln wie Krizni Put zu finden, das sich anhört, als sei es ein kroatisches Volkslied und als eines der wenigen Stücke auf dieser Scheibe noch das bedient, was man als Neofolk bezeichnet. Nezdrava Tvorba hingegen geht dann wieder in eine ganz andere Richtung: Es ist ein triphoppiges Stück mit verstörendem Unterton, wie es beinah sogar Freunden der Musik von Massive Attack gefallen könnte. Der industrielle Charakter kommt hier wie auch in anderen Stücken ebenfalls immer wieder durch.

Wie schon erwähnt: Musikalisch ist dieses Album schwer auf einen Nenner zu bringen. Am ehesten ist es einfach schlichtweg als Bleiburg zu bezeichnen. Der Bleiburg-Kosmos ist schier unüberschaubar, eine gute teilweise Einführung darein gibt es auf Way Of Crosses zu hören. Man sollte allerdings schon ein Liebhaber des Speziellen, Skurrilen und nicht Alltäglichen sein. Auf seinen 78 Minuten macht dieser Tonträger vieles, es aber dem Hörer sicherlich nicht leicht. Also ein Produkt für Jäger, Sammler und Liebhaber. Diese dürften auch an dem äußeren ihren Gefallen finden: So erscheint die auf 1000 limitierte Scheibe in einem hübschen buchförmigen DigiPak zum Aufklappen. Insgesamt eine ambivalente Veröffentlichung für den Großteil, aber eine wahre Freude für eine kleine Zielgruppe.

Homepage: www.dark-transmission.de
MySpace: www.myspace.com/bleiburg
Label: www.theeasternfront.org

Text: Marius Meyer