Ein langer Weg war es für Blind, der bis zu ihrem nun erscheinenden Album geführt hat, das sich schlichtweg wie die Gruppe selbst nennt. Der Faktor Zeit war für Blind stets sekundär – und so kam es, dass seit der Gründung 2002 sechs Jahre vergangen sind, bis das Debüt endlich das Licht der Welt erblickt. Grund für die sechs Jahre: Es sollte einfach alles stimmen. Aus diesem Grund wurden viele Verträge abgelehnt, Produzenten gewechselt, probiert und experimentiert. Nebenbei gab es immer wieder „Testfahrten“ quer durch die Republik, um das Material auszuprobieren. Was gezündet hat blieb, der Rest: Raus! Warum auch mit 90% zufrieden sein? Nun ist es aber da. Das Album. Laut offizieller Band-Biographie eine Schnittmenge von Power-Pop, Alternative-Rock und Modern-Metal.

Und, stimmt das? Hört man sich das Album einmal durch, wird man schnell merken: Ja, Elemente dieser Richtungen sind definitiv vorhanden. Die Gewichtung variiert dabei, insgesamt aber entstand ein sehr ausgeglichenes Werk. Auch wenn Blind von sich behaupten, vermeiden zu wollen, „typisch deutsch zu klingen“, beschleicht einen dennoch von Zeit zu Zeit der Eindruck, dass man es hier mit einer Art deutschen Antwort auf den amerikanischen College Rock zu tun hat. Dies ist aber gar nicht negativ zu sehen, denn Blind finden ihre Nische zwischen hier und jenseits des großen Teiches auf eine sehr gekonnte Art und Weise. Gekonnt, gerockt, eigen. Mit Härte, mit Gefühl.

Schön ist schon einmal: Hier ist alles handgemacht. Das ist deutlich herauszuhören. Eine gesunde Härte, darin viel Gefühl, ordentlich Druck, aber auch Bedächtiges. We Can Stay ist so ein Fall: Zwar bereits treibende, aber irgendwie nachdenkliche Momente in den Strophen, bevor im Chorus deutlich auf den Distorter getreten wird und die Gitarren verzerrt nach vorne treiben, während Fabian Zimmermann betont seine Anliegen singenderweise vorträgt. Zwischendurch gibt es auch mal sehr ruhige Momente – Every You Every Me (nicht mit Placebo verwandt oder verschwägert) ist eine ruhige Ballade, die Blind von ihrer anderen Seite zeigt. Zwar ist der Großteil eher laut, dennoch macht auch diese ruhige Seite Blind aus.

Und am Ende ist man begeistert. Tatsächlich: Power-Pop trifft Alternative-Rock trifft Modern-Metal. Und das in einer angenehmen Art und Weise. Man braucht also nicht immer den Blick über den großen Teich, um derlei Musik zu hören – das Gute kann so nah liegen. Eine satte Dreiviertelstunde, die Spaß macht und gerne wieder von vorne gehört wird. Wollen wir hoffen, dass sie sich nicht bis zum nächsten Album weitere sechs Jahre Zeit lassen. Solide Leistung!

Wer in das Album reinhören möchte, kann dies unter der folgenden Adresse tun: www.netinfect.de/blind_prelistening.html – zusätzlich finden sich unter dem Cover die aktuellen Tourdaten der Gruppe!

Homepage: www.blindpage.de
MySpace: www.myspace.com/officialblind

Tourdaten
01.03.2008 Greven, Kesselhaus
04.03.2008 Frankfurt, Nachtleben
05.03.2008 Essen, Zeche Carl
06.03.2008 Koblenz, Circus Maximus
07.03.2008 Hamburg, Logo
08.03.2008 Vechta, HdJ
09.03.2008 Berlin, Knaack
10.03.2008 Hannover, Labor
14.03.2008 Bad Salzungen, KW 70
15.03.2008 Reichenbach, Die Halle
16.03.2008 München, Backstage Club
17.03.2008 Augsburg, Spektrum
18.03.2008 Wien, Chelsea
20.03.2008 Wuppertal, LCB

Text: Marius Meyer