Mutig – es gibt wohl kein anderes Wort, was Bloc Partys neues Album Four besser beschreibt. Das Quartett um Frontmann Kele Okereke meldet sich aus seiner Pause anders zurück, als man es hätte erwarten können. Mit ihrem letzten Studioalbum, Intimacy, wurden die Engländer 2008 elektronischer als zuvor. Keles Soloalbum The Boxer schloss 2010 daran an. Four aber geht in eine ganz andere Richtung. Bloc Party legen sich auf ihrem neuen Album nicht auf einen Stil fest. Es scheint, als würden sie zeigen wollen, was diese Band alles kann. Four hat nicht nur die Indie-Pop-Hymnen der ersten beiden Alben, es auch deutlich härtere Songs, wie man sie von Bloc Party bisher nicht kannte. Die Engländer haben wohl einfach das gemacht, worauf sie Lust hatten und es klingt, als hätten sie dabei eine Menge Spaß gehabt.

Das Warten auf Four war nach der langen Bandpause sowohl mit viel Vorfreude als auch mit einer gewissen Ungewissheit und Angst verbunden. Die Single Octopus wirkte mit ihrem Ohrwurm-Refrain beruhigend. Auch der Album-Opener So He Begins To Lie ist zwar wuchtig aber noch leicht verdaulich. Bis dato nichts, was man von Bloc Party nicht schon einmal in ähnlicher Weise gehört hat. Anders wird das bei 3×3. Ein mehr als merkwürdiger Song, den man sich öfter zu Gemüte führen muss, um ihn zu verstehen. Mit einer bösartig wirkenden Stimme werden Worte gehaucht, bis Kele Okereke im Refrain flehend singt und schreit. Die musikalische Untermalung ist erstmals von etwas härterer Gangart. Hat man sich daran gewöhnt, funktioniert der Song allerdings überraschend gut.

Deutlich leichter fällt es aber, Tracks wie V.A.L.I.S und Truth zu mögen. Man schließt sie schon beim ersten Hören ins Herz. Es sind eben solche Songs, die man von Bloc Party erwartet und wegen denen man die Band in den letzten Jahren vermisst hat. Gelungen sind auch stillere Songs wie Day Four und The Healing. Letzterer bietet wohl die entspanntesten vier Minuten Bloc Party, die es je gab. Mit We Are Not Good People endet Four noch einmal viel krachender als es begann. Es ist beileibe keine leichte Kost, aber ein Album, in dem unglaublich viele Ideen stecken. In jedem Fall ist Four außergewöhnlich und besser, als man es hätte erwarten können.

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Text: Martin Zenge