Jaja okkulter Doom Rock mit weiblicher Sängerin, mal wieder. Aber gelegentlich soll es ja Bands geben, die trotz des aktuellen Hypes eine Daseinsberechtigung haben. Vor ein paar Wochen haben Purson ihr eindrucksvolles Debüt rausgebracht und man nahm schon an, dass dies das spannendste Album der Richtung in diesem Jahr sein könnte. Damit könnte es jetzt aber leider aus sein, denn Blood Ceremony sind zurück. Und nicht nur, dass diese Band schon ein Jahr vor The Devil’s Blood entstand, die den ganzen Hype lostraten, sie zeigten auf ihren ersten beiden Alben auch, dass sie genug Eigenständigkeit besitzen, um solche Trends ignorieren zu können. Dies lag besonders an der immer auftauchenden Orgel und der Querflöte. Das Debütalbum war eindrucksvoll, der Nachfolger Living with the Ancients noch besser, wenn auch mehr vom gleichen. Davon kann aber auf The Eldritch Dark keine Rede mehr sein.

Denn ursprünglich war man ja eine Doom Metal-Band. Das mag man immer noch sein, aber der Doom Metal-Anteil dient nur noch als Grundgerüst, um vieles anderes zu machen. Schon im ersten Lied Witchwood fallen mehrere Dinge auf: Stellenweise erinnert das Gitarrenspiel an Alternative Rock, genauso wie im folgenden Goodbye Gemini und man räumt zumindest im ersten Stück Alias Gesang viel Raum ein. Dieser war schon immer gut, ist aber noch besser geworden und vor allem lässt man viele Folk-Einflüsse zu und gegen Ende oszillieren Orgelklänge.

Dem aus The Wicker Man bekannten Lord Summerisle widmet man ebenfalls ein Lied, das mit Akustikgitarre sowie männlichem und weiblichem Gesang daherkommt und endgültig psychedelischer Folk ist. In den anderen Stücken erkennt man zwar die üblichen Versatzstücke der Vorgänger-Alben, aber auch hier gibt man sich vielseitiger und experimentierfreudiger. Und ob Alia beschwörerisch singt, manisch vor sich hinraunt, wie eine Hexe oder einfach nur verträumt klingt: Immer klingt sie hervorragend.

Man hat sich weiter entwickelt und zeigt das auch selbstbewusst. The Eldritch Dark ist eine überraschende, aber auch notwendige Weiterentwicklung von den Vorgängern und zeigt, dass die Band ihre Kreativität noch lange nicht ausgeschöpft hat.

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Text: Tristan Osterfeld