Noch wenige Wochen jung ist das neue Jahr und schon wird man mit einer wichtigen Frage konfrontiert: Do You Like Rock Music? Was soll man denn da erwarten? Treibende Drums, eingängige Riffs, musikalische Anleitung zum rumspringen. Immer nur fröhlich sein ist auch nicht normal, also kann Musik auch mal leicht depressiv sein. Und wie sieht das jetzt bei den Jungs von British Sea Power aus? Der Opener All In It ist schon relativ anders: leicht morbide klingend, wie ein Choral von Mönchskuttenträgern, die nachts zur Totenwache gehen. Aber das ist nur der Einstieg, denn was danach kommt trägt zu Recht das Prädikat Rock und die Musikwelt erlebt einen der ersten Höhepunkte des Jahres 2008.
Songs wie Lights Out For Darker Skies oder Waving Flags steigern sich von leichtfüßig, gitarrengetragen zu mitreißend und spannend. Überhaupt kommen die zwölf Lieder mit einer besonderen Ausstrahlung rüber, homogen und alles scheint zu passen. Und so ist eine wahre Freude, sich durch das Album zu hören.
Hier und da kommen ein paar lautstarke aaaaa/oooo-Chöre zum Vorschein, aber man kommt schließlich aus England. Und zum Glück schafft man es, den Pathos vernichtend klein zu halten. Denn es geht ja schließlich um Rockmusik! Da scheint es gelegentlich zwar mal Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Songs zu geben, aber dank Tempowechsel oder anderen gut platzierten musikalischen Brüchen kann man das ohne Probleme verschmerzen.
Und wenn man Canvey Island hört, dann versteht man, dass den Jungs aus Brighton der große Wurf gelingen sollte: Brit-Pop/Rock auf höchsten Niveau. Auch die ruhigeren Lieder sind gelungen, wie Need To Cry, als Luftholer aber erst spät auf dem Album zu finden. Dieser letzte Abschnitt auf dem Album ist gedämpfter und am Ende wird auch das Anfangsmotiv von All In It wieder aufgenommen. Man kann es experimentell nennen und sehr harmonisch obendrein.
So endet die Lehrstunde im Rock etwas düster, was aber auch beabsichtigt ist, schließlich wollte man die eigene Interpretation von „Dr Jekyll and Mr Hyde“ wiedergeben. Inwieweit das gelungen ist – diese Entscheidung bleibt jedem Hörer selbst überlassen. Fakt ist aber, das British Sea Power mit ihrem Drittlingswerk ihren Teil zum Erhalt der guten Musik geliefert haben. Freuen wir uns auf mehr und beantworten den Albumtitel mit einem lauten: Jahaaa!

Homepage: www.britishseapower.co.uk
MySpace: www.myspace.com/britishseapower

Text: Katrin Gruhl