Zarte Klänge aus Ludwigsburg. Schöne Texte aus Ludwigsburg („ich rauche und trinke / und du siehst gut aus dabei“). Und schon mit dem ersten Song machen Café 612 klar, dass es sie eben doch gibt, die guten deutschen Chansons, auch wenn die im Stück agierende Dame das Gegenteil behauptet. Matthias Rother erzählt die Geschichten, die ein menschliches Leben so schreibt und gestaltet sie gemeinsam mit seiner Band mal unbeschwert-beschwingt, mal melancholisch-verregnet, immer aber spannend und fesselnd. Auch sein Umgang mit Sprache macht klar, dass hier Menschen am Werk sind, denen es nicht darum geht, mit ihrer Musik die riesigen Hallen und ihre Geldbörsen zu füllen, sondern um die Wirkung ihrer Musik auf die Hörer, darum, etwas mitzuteilen.

Café 612 erinnern mal an Element Of Crime (Nichts wär so schön, An die Liebe), mal an den Labelkollegen Gisbert zu Knyphausen (Deutsche Chansons, Wir müssen weiter) und fast schon natürlich des Öfteren an Reinhard Mey. Textlich schaffen sie es ab und an gar in die Nähe der Monsters of Liedermaching („glaubst du, dass der Teufel meine Seele freigibt / wenn ich schwöre, dass ich nicht mehr so viel trink / vielleicht könn’ wir da noch mal drüber reden / wenn ich nicht mehr so betrunken bin“) und stets sind diese durch den erkennbaren Ludwigsburger Einschlag besonders und eigen. Wie es überhaupt Café 612 trotz aller Vergleiche immer schaffen, sich ihre Eigenheit zu bewahren. Und sich nie ganz in eine bereits vollgestopfte Schublade mit der Aufschrift „Singer/Songwriter“ quetschen lassen, denn wenn man gerade denkt, das klingt jetzt nach Nick Drake, dann klingen sie im nächsten Moment wieder ganz anders und bis man einen passenden Vergleich gefunden hat, ist die Band schon längst wieder woanders angekommen.

Das einzige kleine Manko der CD sind die Momente, wenn Rother versucht, seinen Gesang in sehr kunstvolle Gegenden zu lenken (Die Elfe), denn diese nehmen der Musik und den Texten für einen kurzen Augenblick die Authentizität. Doch zum Glück verwischen diese Momente sehr schnell wieder und werden von den zarten musikalischen Schneeflocken der anderen Songs überdeckt und fallen so leicht dem verdienten Vergessen anheim, um die positive Wirkung von Café 612 überhand nehmen zu lassen.

Man kann Omaha nur mal wieder bewundernd die Hand schütteln, da es dem Label ein weiteres Mal gelungen ist, eine besondere Band aus dem überfüllten Teich der Singer/Songwriter/Liedermacher zu angeln. Glückwunsch dazu, keine Frage.

Café 612 beglücken den Hörer auf dem selbstbetitelten Album mit wunderschöner, gitarrengeprägter, intelligenter (Folk-)Musik. Kann man sich mehr wünschen? Wohl kaum.

Homepage: www.cafe612.de
Facebook: www.facebook.com/cafe612

Text: Simon-Dominik Otte