Die Jukebox. Jener legendäre Automat, in den man Münzen einwirft, um seine liebste Musik zu hören. Genau eine solche veröffentlicht Chan Marshall aka Cat Power mit ihrem so betitelten Album. Zwar wirft man die Münzen nicht in die CD-Hülle, sondern gibt sie dem Händler des Vertrauens im Tausch für das zu erwerbende Produkt, aber der Inhalt des Albums lässt sich mit dem Begriff der Jukebox vortrefflich charakterisieren: Es finden sich hierauf Coverversionen verschiedenster legendärer Gassenhauer der Musikgeschichte, allesamt getaucht in ein zeitloses Gewand ureigenster Cat Power-Musik. Die limitierte Deluxe-Ausgabe erscheint zudem als erweiterte Jukebox mit einer Bonus-CD, die fünf weitere Titel enthält.

Zur Eröffnung des Reigens wurde ein wahrhaftiger Klassiker ausgesucht: New York, durch Frank Sinatra zu weltweiter Berühmtheit gelangt. Als erstes erkennt man das Stück hier wohl, wenn der Text einsetzt, denn die groovenden Klänge, die einem bis dahin und auch darüber hinaus begegnen, klingen sehr eigen. Groovende Musik mit einer sehr flächig eingesetzten Orgel, die einen gewissen Lounge-Touch besitzt und sich beinah unverschämt ins Ohr einschmeichelt. Ja, so ist sie: Die Musik von Cat Power. Denn auch die folgenden 12 Titel setzen diesen Weg fort und vereinen abwechslungsreich, aber stringent die verschiedenartigsten Titel.

Bob Dylan ist auch so einer, der hier in einem ungewohnten Gewand präsentiert wird: Der bereits erwähnte Groove trifft hier auf den eingängigen weiblichen Gesang, während aber die Gitarrenriffs beibehalten wurden, die sich in diesem Klangkostüm zwar ungewohnt, aber doch bekannt anhören. Nebenbei erwähnt: Verantwortlich für die Riffs ist ein gewisser Judah Bauer, der über die Strecke der gesamten Veröffentlichung das Instrument bedient und dem Hörer wohl vor allem durch seine Beteiligung bei der (Jon Spencer) Blues Explosion bekannt ist. Aber genug der Nebensache: Interessant auch der Folgetitel Song To Bobby – die einzige Ausnahme auf dem Album, handelt es sich hierbei doch um ein neues Gewand eines Cat Power-Stückes, das hier den zuvor gecoverten Bob Dylan besingt.

Chan Marshall und ihre Band „Dirty Delta Blue“ präsentieren mit Jukebox eine wirklich interessante Zusammenstellung verschiedener Interpretationen, die mit vollem Recht auch so bezeichnet werden können. An keiner Stelle findet sich auf dem Album der muffige Beigeschmack bloßer Remakes, an vielen Stellen dafür der gute Beigeschmack eines ambitionierten Projekts, das gekonnt transportiert wird. Joni Mitchell, Janis Joplin, James Brown und wie sie alle heißen: Hier muss sich niemand ärgern, gecovert worden zu sein, denn die Coverversionen werden ihnen durchaus gerecht. Wer Interesse hat, sollte sich um die Deluxe-Ausgabe bemühen, denn hier wird unter anderem auch Nick Cave gecovert. Also: Ranhalten!

Homepage: www.catpowerthegreatest.com
MySpace: www.myspace.com/catpower

Text: Marius Meyer