Der Wiedererkennungswert mancher Musiker ist mitunter schon fast erschreckend. Kaum die ersten Töne von Chelsea Light Moving gehört und man weiß: Das ist doch Thurston Moore! Nach dem vorigen Solo-Album Demolished Thoughts nun also wieder eine neue Band neben Sonic Youth. Wobei: Halt! Die Band an sich ist gar nicht so neu, denn die Band ähnelt stark der, mit der er bereits sein Solo-Album eingespielt hat. Nur dass diesmal keine melancholischen Folk-Kompositionen geboten werden, sondern rauer Noise-Rock im Vordergrund steht. Dass er sich damit auskennt, muss Thurston Moore wohl niemandem mehr beweisen und so präsentiert das Album einen Musiker, der das macht, was er kann und was er liebt.

Alighted ist so ein Titel, der in Perfektion zeigt, was die „neue“ Band von Thurston Moore ausmacht. Mit ungestümen und verzerrten Riffs eröffnet, schreddert man sich ins Klangbild und hat hier auch ein hohes Tempo im Gepäck. Im Verlauf wird das Tempo auch mal verhaltener, im Gesangsstil grüßt mal zwischendurch Lou Reed. Und überhaupt: Chelsea Light Moving streifen gerne mal durch die Popkultur: Der Frank O ‘Hara Hit, der mit seinen dezent disharmonischen Gitarren brilliert, benannt nach einemgroßen, homosexuellen New Yorker Dichter, geht es um einschneidende Wendepunkte der Popgeschichte wie Bob Dylans legendäre Show mit der Butterfield Blues Band 1965, seinen Motorradunfall im Folgejahr und die Geburt von Mick Jagger.

Die knapp 50 Minuten Musik, die auf Chelsea Light Moving begegnen, machen wirklich Spaß. Sowohl, wenn man Sonic Youth in ihren zugänglicheren Phasen schätzt als auch sonst, wenn man gerne Musik hört, bei der das mit dem „Indie“ noch ernstgemeint ist. Denn Thurston Moore macht hier wirklich das, was ihm gefällt und zeigt auf angenehme Weise, dass er sich eh niemandem mehr beweisen muss. Ein erfreuliches Werk!

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Rezension: Thurston Moore – Demolished Thoughs

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Text: Marius Meyer