Dieser Tage ist das, nach der Single-Auskopplung von O Everyone im Frühjahr, heiß erwartete Debüt-Album von Chorus Grant erschienen. Das gute Stück trägt den Namen Space und zeigt Kristian Finne Kristensen, so der bürgerliche Name, als großartigen Komponisten und einen der interessantesten Singer/Songwriter unserer Tage. Das Debüt des Dänen, bisher als Teil des Duos Cancer an der Seite von Sänger Nikolaj Manuel Vonsild in Erscheinung getreten, wurde von großen Erwartungen begleitet. Der britische New Musical Express schrieb zur ersten Single „Some of the most intoxicating Scandinavian downtempo we’ve heard in ages“, Gimme Indie aus Schweden sekundierten „The next big thing from Denmark has arrived“.

Tatsächlich wird Chorus Grant den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht. Space enthält dreizehn Stücke feinensinnigen Singer/Songwriter-Pops, der weder auf emotionsgeladendes Gesäusel setzt, noch sich in den vermeintlich sicheren Gefilden simplen Folk-Pops bewegt. Space besticht durch große Melodien, anspruchsvolle Kompositionen und volle, stimmige Arrangements. Die Songs spielen sich dabei nicht an den Vordergrund, sondern versprühen ihre melancholische Schönheit fast beiläufig.

Wie es der Titel nahe legt, misst Chorus Grant auf seinem Debüt musikalische und emotionale Räume aus. Die Kompositionen geraten luftig und durch die dichte Produktion und die großen Melodieläufe dennoch sehr verbindlich. Entlang der an Jazz gemahnenden Gitarrenläufe entwickeln sich die Songs, grundiert werden sie durch subtiles Pianospiel und eingetaktet durch die rhythmischen Drums. Innerhalb dieser Strukturen bewegt sich der tastende Gesang Chorus Grants in einem erzählerischen Modus, zugleich nah und doch leicht entrückt.

Chorus Grant lässt seinen Stücken alle Zeit der Welt, um sich in großen Spannungsbögen zu entwickeln. Dabei legt er einen Sinn für Detailreichtum an den Tag, der nie soweit geht, sich zu verlieren und beweist Mut zu Übergängen, zum Rückbau einmal geschaffener Strukturen, die trotz aller Komplexität und relativen Spontaneität nie nach Brüchen klingen.

Thematisch beschäftigt sich Chorus Grant mit den Räumen, in denen wir uns auf Reisen bewegen, mit den Kräften, mit denen diese auf uns einwirken und wir diese wechselseitig verwandeln. Die musikalische Umsetzung dieses Themas ist kongenial, denn auf „Space“ treibt der Hörer wie auf einem Floß durch die musikalische Welt dieses großen Talents. Getragen von einer Vision, die sich bei allem Wechsel des Moments immer gleich bleibt und doch so viele Enidrücke vermittelt. Chorus Grant macht intelligente Musik, die die Spielfreude des Jazz mit der schwebenden Akustik von Ambient-Panoramen verbindet und in ihrer epischen Erzählhaltung an Wilco erinnert. Ein großartiges Pop-Debüt im besten Sinne, das auch in Deutschland jede Beachtung verdient haben sollte.

Homepage: www.chorusgrant.net
Facebook: www.facebook.com/chorusgrant

Text: Mirco Drewes